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Strom

Elektroautos laden

Die verschiedenen Optionen, Kosten und Dauer

29. Juli 2019

von Konstantin Müller

Elektroautos aufladen – die aktuelle Lage

In Zeiten, in denen der Klimawandel in aller Munde ist, Grünstromtarife immer beliebter werden und der Umweltschutz in der Mitte der Gesellschaft ankommt, sind Elektroautos ein stetes Thema. Die Zulassungszahlen in Deutschland steigen und im ersten Halbjahr 2019 entfielen rund 2,6 Prozent der Neuzulassungen auf Elektroautos und Hybride. Besonders die reinen Elektrofahrzeuge finden bei den Käufern Anklang. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Neuzulassungen hier um knapp 80 Prozent.

Leistungsfähigere Akkus und günstigere Neuwagenpreise machen die Elektrotechnik für die breite Masse interessant. Hilfreich sind hier auch die staatlichen Unterstützungen und steuerlichen Vergünstigungen. Die Bundesregierung hat den Umweltbonus für Elektroautos kürzlich verlängert. Wer ein förderungsfähiges Modell erwirbt, erhält einen Zuschuss in Höhe von 4.000 Euro netto. Auch Geschäftsfahrzeuge werden besonders gefördert. Hier gewährt der Fiskus einen Steuervorteil bei der Nutzung. Der geldwerte Vorteil wird mit nur einem halben anstelle des üblichen vollen Prozents versteuert.

Ein wichtiger Punkt, der jeden Besitzer betrifft, ist das Laden der Fahrzeuge. Am heimischen Stellplatz muss in der Regel nachgerüstet werden, um das Aufladen zu ermöglichen. Neben der Infrastruktur, um das Elektroauto Zuhause zu laden, sind auch frei zugängliche Ladestationen wichtig. Die Bundesnetzagentur stellt eine Übersicht über die öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur zur Verfügung. Mitte des Jahres 2019 waren erstmals 16.000 solcher Ladestationen verfügbar.

Zu beachten ist jedoch, dass es unterschiedliche Betreiber bei den Ladestationen gibt. Diese haben mitunter verschiedene Abrechnungs- und Mitgliedersysteme. Somit können nicht alle Ladestationen ohne Weiteres frei benutzt werden. Einige Anbieter rechnen mit Abonnement ab, andere haben Kundenkarten, die ähnlich wie beim Tanken den Ladevorgang exakt pro kWh berechnen.

So kann man das Elektroauto laden:

An der eigenen Steckdose

Zuhause eine eigene Lademöglichkeit zu besitzen, ist im Prinzip Pflicht. Eigenheimbesitzer sind hier im Vorteil, da sie meist über einen festen Parkplatz direkt am Haus verfügen. Ein Nachrüsten ist somit relativ unkompliziert. Eine normale Steckdose ist nämlich nicht ausreichend. Wird ein Akku über eine herkömmliche Steckdose mit 3,7 kW geladen, vergehen schnell 24 Stunden oder mehr. Moderne Elektrofahrzeuge ermöglichen Ladeleistungen von bis zu 22 kW. Dann dauert es nur einige Stunden, bis der Akku voll ist.

Dementsprechend muss jedoch die Infrastruktur aufgebaut sein. Kabel, Sicherungen und die Ladebox müssen extra angeschafft und fachgerecht installiert werden. In der Regel ist hier mit Kosten zwischen 500 und 2.000 Euro zu rechnen. Doch auch wer in einer Mietwohnung wohnt, kann eine Ladestation erhalten. Hier ist der Weg über den Eigentümer beziehungsweise die Mitgliederversammlung notwendig. Über einen Antrag kann die Installation einer Ladestation genehmigt werden. Voraussetzung ist, dass der Parkplatz kein öffentlicher Raum ist. Eine Garage ist deshalb von Vorteil, da hier eine Installation deutlich einfacher ist.

Der eigentliche Ladevorgang ist eher günstig. Ein Fahrzeug mit einer Akkukapazität von 95 kWh schlägt bei einem angenommenen kWh-Preis von 30 Cent mit Stromkosten in Höhe von 28,50 Euro zu Buche. Benötigt ein Elektrofahrzeug auf einer Strecke von 100 Kilometern 13 kWh Energie, dann sind dies Kosten in Höhe von 3,90 Euro.

Im öffentlichen Raum

Im öffentlichen Verkehr die nächste Ladestation zu finden ist oft nicht einfach. Es gibt aber hilfreiche Apps wie beispielsweise mobility +, über die eine Ladestation gefunden werden kann. Zu beachten sind hier die unterschiedlichen Steckerstandards. Der Typ 2 wurde mittlerweile als EU-Standard festgelegt. Sofern das eigene Fahrzeug über einen anderen Stecker verfügt, muss gegebenenfalls ein eigener Stecker oder ein Adapter mitgeführt werden.

Wer eine längere Reise mit einem Elektrofahrzeug plant, sollte die Streckenführung vorher genau planen. Es gibt Unterschiede zwischen den Ladestationen, was die Ladezeit betrifft. Schnellladestationen füllen den Akku mitunter in weniger als 30 Minuten auf, an anderen Stationen muss man ein oder mehrere Stunden einplanen.

Bei der Arbeit

Unternehmen können steuerliche Vorteile nutzen, wenn sie ihren Mitarbeitern Elektrofahrzeuge zur Verfügung stellen. Sofern eine eigene Ladeinfrastruktur vorhanden ist und der Strom vergünstigt oder kostenfrei zur Verfügung steht, ist das Unternehmen von Steuern befreit.

Spezielle Autostromtarife

Ergänzend zu der erstgenannten Ladeoption gibt es einige wenige Anbieter, die extra Autostromtarife anbieten. So bezeichnet sich der Strom, der eigens dem Laden von Elektroautos dient und häufig zu 100% aus erneuerbaren Energien stammt. Bedingung hierfür ist ein separater Zähler, um den Stromverbrauch für das Elektroauto exakt zu bestimmen. Doch die Anschaffung lohnt sich; mit einem speziellen Autostromtarif können bis zu 30% der Stromkosten für ein Elektroauto gesenkt werden (gegenüber einem normalen Hausstromtarif). Möglich ist dies durch das deutsche Energiewirtschaftsgesetz. Die Auslastung der Stromnetze ist ein immer wieder aufkommendes Thema. Der nächtliche Ladevorgang von Elektrofahrzeugen kann schon jetzt zur Balance des Gesamtstromverbrauchs zwischen Tag und Nacht beitragen. Diese Bereitschaft von Elektroautoinhabern wird vom Netzbetreiber mit deutlich niedrigeren Netzentgelten belohnt, weshalb so eine große Einsparung möglich ist.

Interessantes rund um das Thema

Kann ich meine Solaranlage zum Laden nutzen?

Umweltbewusste Eigenheimbesitzer haben oftmals nicht nur ein Elektrofahrzeug, sondern auch eine Solaranlage auf dem Dach. Diese Kombination bietet zunehmend Vorteile. Aufgrund von sinkenden Einspeisevergütungen für Solarstrom lohnt es sich, den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen. So lassen sich bereits jetzt bis zu 18 Cent pro kWh sparen, wenn statt Strom vom Netzbetreiber der eigene Solarstrom in den Akku fließt.

Kann ich Nachtstrom zum Laden nutzen?

Ein Elektrofahrzeug ist ein Großverbraucher im Haushalt. Die Kosten-Nutzen-Rechnung des Wagens lässt sich weiter verbessern, wenn der Strom günstiger beschafft wird. In diesem Zusammenhang ist der Nachtstromtarif, den einige Netzbetreiber anbieten, besonders interessant. Nachts stehen die meisten Fahrzeuge an ihrem Stellplatz und sind somit bereit für den Ladevorgang. Im Nachtstromtarif ist der kWh-Preis günstiger, sodass auch die Kosten für die Fahrten sinken. Unser Nachtstromrechner hilft, entsprechende Anbieter und Tarife zu finden.

Kostenvergleich zu Verbrennern

Werden die laufenden Kosten gegenübergestellt, präsentieren sich Elektrofahrzeuge sehr kosteneffektiv. Selbst ein sparsamer Benziner benötigt auf einer Strecke von 100 Kilometern oft Treibstoff für 7,50 Euro. Dieselfahrzeuge sind mit rund 6,30 Euro etwas günstiger. Elektrofahrzeuge benötigen im Schnitt Strom für weniger als vier Euro für dieselbe Strecke. Deutlich günstiger kommt davon, wer seine eigene Solarenergie nutzt oder einen Nachtstromtarif besitzt. Effektiv sind hier Kosten im Bereich von 1,75 Euro auf 100 Kilometern möglich.

Die Zukunft der Elektrofahrzeuge

Die Infrastruktur der Ladestationen wird stetig ausgebaut. Gleichzeitig werden auch die Akkus effizienter. Für die breite Masse werden Elektrofahrzeuge somit immer interessanter. Ein erhöhter Absatz wird gleichzeitig dafür sorgen, dass es mehr Auswahl sowie preisgünstigere Fahrzeuge gibt. Das Elektroauto wird vielleicht nicht alle Probleme der emissionsfreien Mobilität lösen – sie wird aber mittelfristig ein wichtiger Bestandteil sein.

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