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Strom

Ratgeber Smart Meter

Alle Informationen rund um Hintergrund, Datenschutz & Funktionsweise

30. Juli 2019

von Conny Benthack

Eigenschaften, Vorteile und Wissenswertes

Intelligente Stromzähler, die auch als Smart Meter bezeichnet werden, sind auf dem Vormarsch. Vor allem das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende, das von der Bundesregierung 2016 verabschiedet wurde, treibt den Umbau voran. Dieses sieht vor, dass bis 2035 ausschließlich intelligente Zähler vorhanden sind. Die Umstellung erfolgt schrittweise. Ab 2017 sind Großverbraucher und private Kunden mit einem Jahresverbrauch von mindestens 10.000 kWh betroffen. Hinzu kommen Stromerzeuger, sodass auch Besitzer von PV-Anlagen bereits jetzt einen solchen Zähler nutzen müssen.

Der Umbau wird von den Messstellenbetreibern automatisch vorgenommen. Den zuständigen Messstellenbetreiber kann man aber auch wechseln, oder auch über diese oder einen Drittanbieter den Umbau freiwillig in Auftrag geben. Die Unterschiede zu den herkömmlichen Zählern besteht darin, dass Smart Meter digital rechnen und mit einer Kommunikationseinheit ausgestattet sind. Der Verbrauch wird also per Fernübertragung an den Messstellenbetreiber übermittelt. Reine digitale Zähler besitzen diese Funktion nicht und müssen an einem bestimmten Zeitpunkt ebenfalls ersetzt werden.

In der Praxis bieten Smart Meter einige Vorteile. Zum einen sind die Zähler komfortabler, da keine Person mehr zum Ablesen kommen muss. Zum anderen profitieren auch die Verbraucher, da die Geräte detaillierte Daten bereitstellen. Anhand einer viertelstündlichen Analyse können zum Beispiel Stromfresser identifiziert werden.

Zum Beispiel über ein Internetportal können die Verbrauchswerte ausgelesen und analysiert werden. Zugriff erhält der Nutzer auch über eine App.

Smart Meter sind teurer als die klassischen Zähler. Der Einbau für die Geräte kostet zwischen 70 und 130 Euro, hinzu kommen mögliche Kosten für bauliche Veränderungen. Auch fallen monatliche Pauschalen für den Betrieb ab. Diese liegen bei etwa zehn Euro. Kosten, die vom Verbraucher getragen werden müssen. Jedoch gelten bei einem Pflichteinbau Preisobergrenzen.

Wie funktioniert der Smart Meter?

Der intelligente Zähler schickt Daten an ein System, welches für die Datenverarbeitung im Allgemeinen zuständig ist (Advanced Meter Management). Kernstück hier ist das sogenannte Meter Data Management, der Speicher für alle Verbrauchswerte. Ein Beispiel der Verarbeitung von Daten ist die Weiterleitung der Verbrauchswerte an das Rechnungserstellungszentrum.

Des Weiteren ist dieses übergeordnete System mit dem Bereich verbunden, welcher den Betrieb der Zähler kontrolliert (Network Operation Center). An diesen Bereich werden zum Beispiel Fehlermeldungen vom Zähler geschickt, daraufhin wird dann ein Techniker zum entsprechenden Zähler geschickt.

Für alle intelligenten Zähler gibt es außerdem ein Kundenzentrum (Customer Contact Center), hier kann sich der Verbraucher mit allen Anfragen zu eventuellen Tarifänderungen oder allgemeinen Fragen melden. Dies erfolgt unter anderem über Call Center, welche Zugriff auf eine allgemeine Datenbank der Kundeninformationen wie den Tarifdetails hat (Customer Information System, nicht zu verwechseln mit dem Meter Data Management).

Wenn der Kunde nun also seinen Tarif wechseln möchte, erfolgt eine Zusammenarbeit der verschiedenen Systeme. Er wendet sich an das Kundenzentrum, dieses hat über die allgemeine Datenbank Zugriff auf seine jetzigen Tarifkonditionen. Die Meldung des Tarifwechsels wird dann über ein weiteres System (Work Order Management) an den Bereich geleitet welcher für den Betrieb des Zählers zuständig ist. Hier wird diese Meldung an das übergeordnete System zur Datenverarbeitung geschickt welches mit dem Zähler in Verbindung steht.

So sendet ein Smart Meter Daten über die Schnittstelle

Ein Smart Meter besteht jedoch aus zwei Komponenten. Zur Messeinrichtung kommt noch die digitale Schnittstelle. Eine der wichtigsten Funktionen des intelligenten Zählers ist nämlich die automatische Datenübertragung. Jeder Smart Meter ist durch die Schnittstelle Teil von drei Netzwerken.

Smart Meter und der Datenschutz

Die Sicherheit der persönlichen Daten ist ein häufiges Thema in Zusammenhang mit den Smart Metern. Die Messstellenbetreiber haben vom Gesetzgeber enge Vorgaben erhalten, um die persönlichen Rechte der Verbraucher zu wahren.

Eine Public-Key-Infrastruktur ermöglicht es, die Daten zu verschlüsseln und gleichzeitig unterschiedliche Zugriffsrechte festzulegen.
Eine Public-Key-Infrastruktur ermöglicht es, die Daten zu verschlüsseln und gleichzeitig unterschiedliche Zugriffsrechte festzulegen.

Ganz wichtig: Die drei Netzwerke, LMN, WAN und HAN, müssen strikt voneinander getrennt sein. So erhält der Netzbetreiber nur einmal am Tag die Verbrauchsdaten, während der Verbraucher permanent die aktuellen Daten abfragen kann. Die persönlichen Rechte sowie der Datenschutz sind auf diese Weise gewährleistet. Netzbetreiber, Stromversorger und auch Techniker können also nicht erkennen, wann die Waschmaschine lief oder zu welcher Tageszeit der Stromverbrauch sehr niedrig war.

Diese Regelung lässt keinen Rückschluss auf Verbraucherprofile, Abwesenheitszeiten oder ähnliche Analysen zu. Die Messstellenbetreiber sind darüber hinaus besonders in Pflicht, die Datenintegrität zu gewährleisten. Sie benötigen ein Zertifikat des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), um per Fernzugriff auf Daten zugreifen zu dürfen. Die oben genannten Standards müssen also von den Herstellern der Smart Meter nachgewiesen werden und auch die Schnittstellenadministratoren (Messstellenbetreiber) müssen sich jederzeit an alle diese Standards halten.

 

Wie sicher sind die Smart Meter gegenüber Manipulationen?

Dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist die Thematik bewusst, wenn es um die Sicherheit von persönlichen Daten geht, die über Netzwerke übertragen werden. Aus diesem Grund hat das BSI bereits früh Sicherheitsziele und die oben erwähnten Schutzprofile definiert. Bei der Bewertung von Smart Meter Gateways kommen internationale Standards zur Prüfung und Bewertung der Sicherheitseigenschaften von IT-Produkten zum Einsatz. Ein zentrales Kriterium ist wie erwähnt, dass die Schnittstelle die drei verschiedenen Netze (LMN, HAN und WAN) konsequent voneinander trennt.

Dritte Personen haben ohne Schlüssel (siehe Public-Key-Infrastruktur) ohnehin keinen Zugriff auf die verschlüsselten Daten.

Alle Geräte, die für die Installation in Deutschland infrage kommen, müssen außerdem das oben genannte Zertifizierungsverfahren bei der BSI durchlaufen.

Die Zukunft: Welche Rolle werden Smart Meter spielen?

Früher oder später werden sich die Smart Meter auf dem Markt durchsetzen.

Zum einen sind die Vorteile für die Netzbetreiber und Verbraucher klar erkennbar. Zum anderen erfordert ein intelligentes Stromnetz, das in Deutschland aufgebaut werden soll, eine dazu passende Infrastruktur bis zum Verbraucher. Wann die Smart Meter für alle Haushalte verpflichtend werden, ist noch nicht klar abzusehen. Das Messstellenbetriebsgesetz schreibt vor, dass mindestens drei unabhängige Systeme verfügbar sein müssen, die die vorgegebenen Sicherheitsziele und Schutzprofile des BSI, das im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie agiert, erfüllen. Aktuell läuft es darauf hinaus, dass ab 2032 eine Pflicht für alle Verbrauchsstellen greifen könnte. Die Bundesnetzagentur hält hier auf Ihrer Website auf dem Laufenden.

 

Fazit

Für Verbraucher bringen Smart Meter zwar erhöhte Kosten, gleichzeitig aber auch Vorteile. Der eigene Verbrauch wird transparenter, da detaillierte Daten und Auswertungen zur Verfügung stehen. Auf diese Weise lässt sich Einsparungspotenzial erkennen, was wiederum die Stromkosten reduziert. Auch die Netz- und Messstellenbetreiber profitieren von den intelligenten Zählern. Verbrauchswerte werden automatisch übermittelt und es wird kein Personal mehr benötigt, das vor Ort die Zähler abliest. Störungen sind sofort sichtbar und der Netzbetreiber erkennt, welche Bereiche betroffen sind. Auch ein intelligentes Stromnetz, das dynamisch angepasst werden soll, ist nur mit einem breiten Netz von Smart Metern möglich. Die Herausforderungen der Datensicherheit bleiben bestehen. Strenge Regularien und Kontrollen müssen gewährleisten, dass die Systeme absolute Sicherheit garantieren. In Zukunft könnte es anderweitige Bedrohungen geben, sodass die Sicherheitsziele des BSI bei Bedarf angepasst werden müssen.

 

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