2026 sollten die Netzentgelte durch einen Bundeszuschuss von 6,5 Mrd. Euro gesenkt werden. Erwartet wurden rund 100 Euro Entlastung pro Haushalt. Nach dem ersten Monat zeigt sich: Die Netzentgelte sinken zwar, aber weniger stark. Denn ein Haushalt erhält durch die niedrigeren Netzentgelte nur eine Entlastung von 70 Euro, das sind rund 30 % weniger als prognostiziert. Außerdem gibt es regional große Unterschiede: Während Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 111 Euro am meisten sparen, erhalten Haushalte in Bremen nur eine Entlastung von 20 Euro. Offen bleibt die Senkung der Stromsteuer für Haushalte und die Vereinheitlichung der Verteilnetzentgelte. Da Versorger nicht verpflichtet sind, Entlastungen weiterzugeben, bleibt ein Tarifvergleich weiterhin wichtig
Die Netzentgelte haben einen großen Einfluss auf die Strompreise in Deutschland, da sie den Ausbau und Betrieb des Stromnetzes finanzieren und rund 25 % des Endkundenpreises ausmachen. Für 2026 stellte die Bundesregierung einen milliardenhohen Zuschuss bereit, um die Belastung für Haushalte zu senken. Nach dem ersten Monat im Jahr 2026 gibt es erste Zahlen. Diese zeigen, in welchem Umfang die Senkung tatsächlich bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommt. Und wie nah die Ergebnisse an den ursprünglichen Erwartungen liegen.
Was sind Netzentgelte?
Netzentgelte sind Gebühren, die dafür anfallen, dass Strom zuverlässig durch das deutsche Stromnetz transportiert wird. Von den Kraftwerken bis zu Haushalten und Unternehmen. Netzentgelte sind ein fester Bestandteil des Strompreises und werden von allen Verbraucherinnen und Verbrauchern gezahlt.
In Deutschland gibt es zwei Ebenen von Netzbetreibern:
- Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB): Sie betreiben die Höchstspannungsnetze, welche den Strom über weite Strecken transportieren.
- Verteilnetzbetreiber (VNB): Diese sind für die regionalen Netze zuständig und versorgen die Haushalte direkt mit Strom.
Da Netzentgelte regional unterschiedlich hoch sind, variieren auch die Strompreise zwischen den Bundesländern. Gründe für die unterschiedlich hohen Kosten können folgende sein:
- Hoher Netzausbau in Regionen
- Unterschiedliche Bevölkerungsdichte
- Alter und Zustand der Netze
- Kosten für Netzstabilisierungsmaßnahmen

Das plante die Politik für die Senkung der Netzentgelte
Für das Jahr 2026 hatte die Bundesregierung im Dezember 2025 eine Entlastung für die Stromnetzentgelte beschlossen. Dabei ging es vor allem um den Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds, der direkt an die vier Übertragungsnetzbetreiber (Ampirion, 50Hertz, TenneT und TransnetBW) ausgezahlt werden sollte. Der Zuschuss hatte das Ziel, die gestiegenen Übertragungsnetzentgelte der letzten Jahre um 57 % zu senken, von etwa 6,65 ct/kWh auf 2,86 ct/kWh. Die Übertragungsnetzebene macht jedoch nur rund 20 % der gesamten Netzentgelte aus.
Insgesamt sollten Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh etwa 100 Euro im Jahr sparen.
Zusammen mit dem zusätzlich geplanten Wegfall der Gasspeicherumlage war die Entlastung für Haushalte sogar auf bis zu 160 Euro im Jahr angesetzt.
Sind die Netzentgelte von 2025 zu 2026 wirklich gesunken?
Seit Inkrafttreten der politischen Maßnahmen zum Jahresbeginn 2026 zeigt sich, dass die Netzentgelte wirklich gesunken sind. Jedoch geringer, als erwartet:
- Für Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh pro Jahr ergeben sich bundesweit Einsparungen von 70 Euro im Jahr. Das sind 30 % weniger als die angekündigten 100 Euro.
- Aktuelle Zahlen der Übertragungsnetze gibt es noch nicht, jedoch sind die Netzentgelte allgemein Anfang 2026 bundesweit um 15,4 Prozent gesunken.
- Der Netzentgeltanteil vom Strompreis ist von fast 28 % (2025) auf knapp 25 % (2026) gesunken.
- Der Cent je Kilowattstundenpreis ist von 10,95 (2025) auf 9,26 (2026) gesunken.
- Die tatsächliche Entlastung für den Endkunden unterscheidet sich jedoch stark nach Region, verantwortlich dafür sind die unterschiedlich hohen Investitionskosten der Netzbetreiber.
- Denn am stärksten profitieren Regionen, die in den vergangenen Jahren hohe Ausgaben für den Ausbau von erneuerbaren Energien hatten.
- Die gestrichene Gasspeicherumlage bringt Haushalten mit einem Gasverbrauch von 20.000 kWh wie erwartet eine Ersparnis von bis zu 60 Euro.
Netzentgelte 2026: Unterschiede in den Bundesländern
Auch vor der Reform waren die Netzentgelte regional unterschiedlich hoch, wodurch die Wirkung des Zuschusses in den Bundesländern stark variiert:
- Über oder gleich den Erwartungen:
In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sparen Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh über 100 Euro im Jahr. Hier sinken die Netzentgelte um 3,0 bis 3,2 Cent pro kWh
- Knapp unter den Erwartungen:
In Bayern, Berlin, Schleswig-Holstein und Hamburg haben Haushalte eine Senkung von 2,3 bis 2,6 Cent pro kWh, was einer Einsparung von 80-90 Euro pro Jahr entspricht.
- Deutlich unter den Erwartungen:
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz und Thüringen liegen bei den Einsparungen zwischen 1,2 und 2 Cent pro kWh. Für Haushalte mit einem Jahresverbrauch von 3.500 kWh sind das 40 bis 70 Euro weniger Stromkosten im Jahr
- Stark unter den Erwartungen:
Bremen und Sachsen haben lediglich eine Entlastung von 0,6 bis 1,1 Cent pro kWh, was zu einer Ersparnis von etwa 20 bis 40 Euro im Jahr führt.

Welche Beschlüsse stehen noch aus?
Einige der für 2026 angekündigten Entlastungen stehen weiterhin aus: Dazu gehört vor allem die Senkung der Stromsteuer für private Haushalte, die vorerst nur für das Gewerbe sinken soll. Bei allgemeiner Umsetzung würde beispielsweise eine Vier-köpfige Familie rund 90 Euro pro Jahr sparen.
Angekündigt, aber bislang auch nicht umgesetzt, ist eine Vereinheitlichung der Verteilnetzentgelte über Bundesländergrenzen hinweg.
Zudem sind Energieversorger nicht verpflichtet, gesunkene Netzentgelte automatisch an ihre Bestandskunden weiterzugeben. Zwar haben die Versorger den Bundeszuschuss wohl tatsächlich an die Endkunden weitergegeben, rechtlich verpflichtend für die Zukunft ist es allerdings nicht. Ein Tarifvergleich oder Anbieterwechsel ist daher immer sinnvoll. Wer sich damit nicht selbst beschäftigen möchte, kann unseren Service von Wechselpilot nutzen – und durch automatisches Wechseln des Energievertrages bis zu 450 Euro im Jahr sparen.