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Strom

Echter Ökostrom – gibt es den eigentlich?

14. Juni 2022

von Anne Härtling

Wir sagen es ganz offen heraus: Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Wo grüner Strom draufsteht, kann in Deutschland auch grauer Strom drin sein. Dahinter steht ein Verfahren, in dem europaweit Zertifikate für Ökostrom gehandelt werden. Es gibt aber auch Ökostrom, der wirklich grün ist. Es wird dann von echtem Ökostrom gesprochen. Wo die Unterschiede liegen und wie Sie diese erkennen, zeigen wir Ihnen hier.  

Was ist Ökostrom?

Ökostrom ist kein geschützter Begriff und es gibt keine gesetzliche Regelung, welche Anforderungen Ökostrom erfüllen muss, um als solcher gekennzeichnet zu werden. Im Grunde kann also jeder Stromanbieter seinen Strom als Ökostrom verkaufen – egal was dahintersteckt.  

Aus der Steckdose kommt ohnehin niemals reiner Ökostrom aus Wind- oder Solarkraft. Überall in Deutschland und zu jeder Tageszeit erhalten Stromkunden dasselbe Produkt: Einen Strommix aus allen Quellen. Kohlekraftwerke speisen ebenso direkt Strom ins Netz wie Wind- oder Solarparks. Dieser Strom wird über die Netze verteilt und verbraucht, ohne dass die Verbraucher einen Einfluss darauf haben, welchen Strom sie verbrauchen möchten.  

Es lässt sich aber begrifflich zwischen Graustrom und Ökostrom differenzieren. Echter Ökostrom ist nur Strom, der zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt. Dazu zählen Wasserkraftwerke, Solaranlagen, Windkraftwerke oder Biogasanlagen. 

Obwohl aus Ihrer Steckdose der herkömmliche Energiemix kommt, haben Sie durch Ihren Tarif die grüne Stromproduktion Ihres Versorgers unterstützt und seinen Strom gekauft. Ihr Versorger speist dann genau so viel echten Ökostrom ins Netz ein, wie Sie verbrauchen. Ihr Anteil am Gesamtstromverbrauch wurde also nachhaltig erzeugt und hat keine schädlichen Emissionen verursacht. Auf diese Weise können Sie Ihren Teil zur Energiewende beitragen.  

In unserer Grafik sehen Sie, welche Anteile die verschiedenen Stromquellen 2021 am Strommix hatten.

Wie entsteht grauer Ökostrom?

Entscheiden Sie sich für einen Ökostromtarif, erhalten Sie leider häufig konventionell erzeugten Graustrom aus Kohle, Atomkraft, Gas oder Öl. Dieser wurde mithilfe sogenannter Herkunftsnachweise „umetikettiert“.  

Wird in Europa eine Kilowattstunde Ökostrom produziert, zum Beispiel in einem Wasserkraftwerk in Norwegen, wird für diesen Strom gleichzeitig ein Herkunftsnachweis ausgestellt, der unabhängig vom produzierten Strom verkauft werden darf. Diese Herkunftsnachweise werden europaweit im sogenannten Renewable Energy Certificate System (RECS) gehandelt. Aus wirtschaftlicher Perspektive macht dieses Vorgehen für die Erzeuger durchaus Sinn: Mit dem Verkauf der Herkunftsnachweise lassen sich zusätzliche Umsätze generieren.  

Wird der Herkunftsnachweis unabhängig vom Strom verkauft, darf der norwegische Grünstrom nicht mehr als Ökostrom verkauft werden, da der Herkunftsnachweis nur einmalig verwendet werden darf. Der Käufer des Herkunftsnachweises in Deutschland darf dafür aber seinen Graustrom als Ökostrom verkaufen, der tatsächlich aus einem Kohlekraftwerk stammt oder an der Strombörse erworben wurde.  

Im Ergebnis wird somit nicht mehr Ökostrom produziert und kein Gramm CO2 eingespart. Im Grunde handelt es sich beim Handel mit den Herkunftsnachweisen lediglich um eine Form des Greenwashings, das sich deutsche Versorger zunutze machen, um der Nachfrage nach Ökostromtarifen gerecht zu werden. Offizielle Stellen kommen zu dem Schluss, dass der Handel mit Herkunftsnachweisen keinen relevanten Nutzen für Klima und Umwelt hat. Häufig wird daher eine Reform des Systems gefordert, die dafür sorgen soll, dass sich das System tatsächlich positiv auf das Klima und die Energiewende auswirkt.

Wie finde ich echte Ökostromtarife?

Auch in Deutschland gibt es aber eine gewisse Anzahl an echten Ökostromtarifen und Anbietern, die den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben. Sie können sich bei der Suche an unabhängigen Labels orientieren, die Ökostrom zertifizieren.  

Zu nennen sind dabei vor allem das Ok-Power-Gütesiegel sowie das Grüner Strom-Label. Beide Siegel garantieren, dass der zertifizierte Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, nicht mit dem Handel mit Herkunftsnachweisen in Verbindung steht und dass die Erzeuger keine Anteile an Atom- oder Kohlekraftwerken halten. Darüber hinaus erfordert eine Zertifizierung, dass die Versorger aktiv Energiewendeprojekte durch einen Beitrag fördern.  

Das Ok-Power-Gütesiegel wird vom gemeinnützigen EnergieVision e.V. (getragen vom Öko-Institut e.V. und dem Hamburg Institut) vergeben. Hinter dem Grüner Strom-Label stehen seit 1998 wesentlich der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie die Deutsche Umwelthilfe.  

Auch der TÜV Süd vergibt europaweit zwei Siegel mit unterschiedlich strengen Kriterien: Das CMS Standard 80 EE01 und das CMS Standard 82 EE02.  

Was können Verbraucher tun?

Besonders wichtig ist es, genau hinzusehen, ob es sich bei Ihrem Tarif um reinen Ökostrom handelt, oder ob dieser aus Herkunftsnachweisen stammt. Sehen Sie beim Abschluss eines neuen Vertrages also genau hin. Gute Indikatoren können die genannten Labels sein, die Ihnen die Suche nach echten Ökostromanbietern erleichtern. Im Internet finden sich häufig auch Listen von Versorgern, die echten Ökostrom anbieten.  

Über die Wahl des richtigen Anbieters hinaus bleibt Ihnen leider nur eins, um einen Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende zu leisten: Energie sparen.