Mozilla/5.0 (compatible; Googlebot/2.1; +http://www.google.com/bot.html)
Wechselpilot Logo Info-Magazin für Energiesparer & mehr
Gas

Deutsche Gasversorgung: Woher bezieht Deutschland Gas?

16. August 2022

von Anne Härtling

Gas ist ein bewährter Energieträger, der durch seine Vielfältigkeit verschiedene Anwendungsmöglichkeiten bietet und wegen seiner vergleichsweise geringen Treibhausgas-Emissionen als vielversprechende Zwischenlösung auf dem Weg zur vollständigen Energiewende gilt. Aus Gas kann sowohl Wärme als auch Strom gewonnen werden. Die Industrie ist der größte Gasabnehmer in Deutschland, gefolgt von privaten Haushalten, bei denen die Gasheizung weiterhin marktführend ist.

Deutschland hatte 2021 einen Gasverbrauch von 90,5 Milliarden Kubikmetern. Mit einem so hohen Gasverbrauch ist Deutschland auf Importe aus dem Ausland angewiesen. Zwar gibt es auch im Inland kleinere Gasvorkommen, zum Beispiel in Niedersachsen, diese decken aber nur etwa fünf Prozent des Gesamtverbrauchs.

Der gesamte Rest wird aus dem Ausland importiert. 2021, also vor dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine und der Reduzierung der russischen Gasexporte, hat Deutschland seinen Bedarf an Erdgas überwiegend durch Pipeline-Importe aus Russland, Norwegen und den Niederlanden gedeckt. Russland hat dabei einen Anteil von 55 Prozent gehabt. Dahinter folgten Norwegen mit etwa 30 Prozent und die Niederlande mit 13 Prozent.

Russland: Die Entwicklungen seit Februar 2022

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine wird Russland von der Europäischen Union mit Sanktionen belegt. Auch Russland reagierte bereits mehrfach mit Sanktionen gegen die EU oder einzelne Staaten. Weil Polen, Bulgarien, Finnland, Dänemark, die Niederlande und Frankreich sich weigerten, Gasrechnungen in Rubel über die Gazprom-Bank abzuwickeln, drehte Russland ihnen den Gashahn ab. Auch Deutschland erhält bereits weniger Gas aus Russland. Stattdessen konnte vor allem Norwegen die Liefermengen Anfang 2022 erhöhen, um Lieferengpässen in Europa vorzubeugen.

Maßgeblich für den Gasimport aus Russland ist die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Anfang Juli 2022 erhielt Deutschland durch die Pipeline nur etwa 40 Prozent der Maximalleistung. Grund dafür sei nach russischen Angaben die Wartung einer Turbine in Kanada gewesen. Ab dem 11. Juli 2022 fand eine geplante und regelmäßige Inspektion der Pipeline statt, weshalb der Gasfluss vorübergehend komplett eingestellt wurde. Am 21. Juli wurden die Lieferungen wieder aufgenommen, nachdem zwischenzeitlich spekuliert wurde, ob die Pipeline überhaupt wieder in Betrieb genommen werden würde.

Nach der Inspektion wurde der Gasfluss nochmals reduziert – nun wird die Pipeline nur noch mit einer Auslastung von 20 Prozent der maximalen Kapazität betrieben. Russland gibt weiter an, dass dies mit dem Fehlen einer Turbine zu tun habe, die sich mittlerweile in Deutschland befindet. Die deutsche Politik hält diese Aussagen für vorgeschoben und macht deutlich, dass die Turbine jederzeit wieder installiert werden könne.

Um die Abhängigkeit von Russland so gering wie möglich zu halten, hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, bis zum Sommer 2024 den Anteil des russischen Erdgases am deutschen Gesamtverbrauch auf 10 Prozent zu reduzieren.

LNG gleicht reduzierte Liefermengen aus

Um kurzfristig die reduzierten Gasimporte aus Russland abfedern zu können, setzen Deutschland und Europa auf einen Mix aus verschiedenen Gaslieferanten. Europa verfügt über ein großes Leitungsnetz, mit dem die Länder untereinander Gas austauschen können. Hinzu kommt seit einigen Monaten die vermehrte Lieferung von verflüssigtem Erdgas – sogenanntem LNG.

LNG wird in der Regel über den Seeweg auf großen Tankern transportiert und dann in Terminals an den Küsten regasifiziert und über das herkömmliche Leitungsnetz verteilt. Deutschland verfügt bisher nicht über eigene Terminals, aber in den vergangenen Monaten wurde der Ausbau stark vorangetrieben und noch Ende 2022 soll das erste LNG Terminal in Deutschland in Betrieb genommen werden. Für 2023 sind noch drei weitere LNG-Terminals in Planung.

Bis zur Fertigstellung der deutschen Terminals ist Deutschland auf die Terminals der europäischen Nachbarn angewiesen. Großbritannien, Frankreich, Belgien, Polen und die Niederlande verfügen jeweils bereits über eigene Terminals. Auch an der Mittelmeerküste befinden sich mehrere Stellen zum Anlanden von Flüssiggas. Zu den größten Exporteuren von LNG gehören vor allem die USA und Katar, die über große Erdgasvorkommen verfügen.