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Strom

Pleitewelle auf dem Energiemarkt: Das Ende der Stromdiscounter?

22. Februar 2022

von Michel Vo

Hunderttausende Stromkunden wurden im Dezember des Vorjahres kalt erwischt: Ohne Vorwarnung stellte der Energieversorger Stromio die gesamte Belieferung ein. Das namhafte Unternehmen, zu dem auch die Marke Grünwelt gehört, ist das prominenteste Beispiel einer besorgniserregenden Entwicklung auf dem deutschen Energiemarkt. Immer mehr Anbieter können nämlich ihren Lieferauftrag nicht mehr erfüllen oder müssen gar Insolvenz anmelden.

Bei den betroffenen Unternehmen handelt es sich vorwiegend um Billigstromanbieter. Diese Stromdiscounter konnten ihren Kunden lange Zeit Energie zu Niedrigpreisen anbieten, indem sie diese preisgünstig auf dem Tagesmarkt erwarben. Dieses Modell ist nun allerdings nicht mehr tragfähig: Wir erklären Ihnen die Hintergründe und zeigen auf, was das für Sie bedeutet.

Wieso gehen gerade so viele Stromversorger insolvent?

Genau wie jede andere Ressource oder Ware muss auch Energie zuerst von einzelnen Unternehmen auf dem Großmarkt eingekauft werden, ehe sie an die Verbraucher weitergeliefert wird und als nutzbare Elektrizität an der heimischen Steckdose ankommt. Für deutsche Stromversorger ist dieser Handelsplatz die Leipziger EEX-Börse (European Energy Exchange).

Lange Zeit bewegten sich die Einkaufskosten für Energieversorger auf einem weitgehend stabilen Niveau. Das änderte sich 2021: Lag der Großhandelspreis zu Jahresanfang noch bei etwa 40 bis 60 Euro pro Megawattstunde, vervielfachte sich dieser Wert in kürzester Zeit und schnellte in Regionen weit jenseits der 100 Euro/MWh.

Strompreisentwicklung bis heute

Diese unerwartete Entwicklung stellt historisch betrachtet ein absolutes Novum dar – zu Ungunsten der hiervon überraschten Stromanbieter, die sich urplötzlich mit stark ansteigenden Beschaffungskosten konfrontiert sahen. Gerade kleinere Unternehmen, welche über keine großen finanziellen Reserven verfügen, bleiben dann manchmal auf der Strecke: Sobald die nötige Liquidität nicht mehr gewährleistet ist, geht für das Unternehmen das Licht aus.

Sind sie an den genauen Hintergründen für die momentane Marktsituation interessiert? Wir haben für Sie alle wichtigen Informationen zusammengefasst.

Welche Anbieter sind bisher betroffen?

Auch zwei Monate nach der Ankündigung des sofortigen Lieferstopps ist Stromio nicht aus den Schlagzeilen verschwunden. Nicht nur die Massenkündigungen sorgen weiterhin für Wirbel, mittlerweile wurden neue Vorwürfe publik: Demnach soll das Unternehmen beträchtliche Strom- und Gaskontingente zu hohen Preisen wieder auf dem Großmarkt verkauft haben, ehe kurz darauf für Kunden mit günstigeren Verträgen die Belieferung eingestellt wurde. Erste Ermittlungen der zuständigen Staatanwaltschaft sind bereits im Gange.

Ganz gleich wie die Hintergründe in der Causa Stromio letztlich aussehen, der nun in Verruf geratene Energieanbieter ist bei weitem nicht das einzige Versorgungsunternehmen, das einen Lieferstopp verkünden musste. Andere Versorger mussten gar die Insolvenz anmelden, dieses Schicksal ereilte beispielsweise den Hamburger Ökostromanbieter Enyway – auch hier forderten die Rekordpreise auf dem Großmarkt schließlich ihren Tribut.

Insgesamt mussten allein 2021 laut Angaben der Bundesnetzagentur knapp 40 Versorger die Kundenbelieferung einstellen, im Vorjahr waren es nur halb so viele gewesen. Weitere betroffene Stromanbieter sind etwa:

Wieso trifft es vor allem Stromdiscounter?

Zwar gelten die steigenden Großhandelspreise für alle Energieversorger, doch das bedeutet nicht, dass auch alle Anbieter im selben Ausmaße von der Kostenexplosion betroffen sind. Dies ist vor allem in unterschiedlichen Beschaffungsstrategien begründet: Große Stromversorger verfolgen eine langfristige Vorgehensweise und kaufen die benötigen Energiemengen bereits Jahre vorher ein, um gegen Preisschwankungen immun zu sein.

Billigstromanbieter vertrauen hingegen auf den sogenannten Spotmarkt: Dort lassen sich auch kurzfristig große Energiemengen erwerben, im Day-Ahead-Handel wird etwa Strom für den nächsten Tag vertrieben. Das ist zwar riskant, aber war bisher zumeist günstiger als ein langfristiger Einkauf. Durch diese geringeren Beschaffungskosten konnten Stromdiscounter ihren Kunden dann verhältnismäßig billigen Strom anbieten.

Genau diese Taktik wurde den Energiediscountern nun zum Verhängnis: Auch auf dem Spotmarkt sprangen die Preise in astronomische Höhen, plötzlich war kurzfristig beschaffter Strom deutlich teurer als im Voraus eingekaufte Energie, die noch vor der Kostenexplosion erworben worden war.

Beschaffungsstrategien im Vergleich

Eine Änderung der Lage ist aktuell nicht in Sicht. Bereits jetzt wurden manche Stromdiscounter durch die Preisentwicklung vom Markt gedrängt, und es ist sogar möglich, dass deren Methode auch langfristig gänzlich an Profitabilität verliert. Selbst die Politik hat sich mittlerweile eingeschaltet: Wirtschaftsminister Robert Habeck moniert etwa, Billigstromanbieter hätten auf „ewig günstige“ Preise spekuliert und „kein belastbares Geschäftsmodell“ verfolgt. Die neue Ampelkoalition will nun gegen Versorger vorgehen, die ihre Belieferungsverträge nicht erfüllen.

Mein Stromversorger ist insolvent – was kann ich tun?

Inwiefern sich die Energielandschaft hierzulande in den nächsten Jahren verändern wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nur Spekulation bleiben. Handfest sind hingegen die Konsequenzen für die Kunden derjenigen Versorgerunternehmen, die Insolvenz anmelden mussten oder die Belieferung gestoppt haben. Sind auch Sie davon betroffen? In diesem Falle dürften Sie bereits in der sogenannten Grundversorgung gelandet sein.

Energie ist in Deutschland ein staatlich garantiertes Grundrecht, deswegen sind Bürger rund um die Uhr mit Strom versorgt, solange sie allen Zahlungspflichten nachkommen, selbst wenn der eigentliche Anbieter nicht mehr handlungsfähig ist. In diesem Falle übernimmt automatisch der lokale Grundversorger die Belieferung, in der Regel ist dies das örtliche Stadtwerk. Die ersten drei Monate sind Verbraucher in einem Ersatzversorgungstarif, anschließend wird hieraus automatisch ein regulärer Energievertrag.

Das Problem: Gerade Grundversorger werden aufgrund der Pleitewelle aktuell von einer unerwartet hohen Anzahl an Neukunden überrannt, für die wiederum zusätzlich Strom eingekauft werden muss – und zwar zu den gegenwärtigen horrenden Marktkonditionen. Dies muss finanziell wieder ausgeglichen werden, die Folge sind in vielen Fällen überaus teure Neukundentarife.

Betroffenen Kunden entsteht dadurch ein immenser Geldschaden, schließlich müssen sie ohne Eigenverschulden plötzlich deutlich mehr für Strom zahlen als zuvor. Für einen Haushalt mit Durchschnittsverbrauch belaufen sich die jährlichen Zusatzkosten in der Regel auf eine Summe in dreistelligen Bereich – eine beträchtliche Mehrbelastung.

Um etwas von dem Geld zurückzuholen, können Sie etwa für zu viel gezahlte Abschläge oder ausstehende Boni entsprechende Ansprüche anmelden – sollte Ihr alter Anbieter allerdings gänzlich bankrott sein, so ist fraglich, ob diesen Forderungen tatsächlich Erfolg beschieden ist. Anders sieht es aus, wenn Ihr Versorger lediglich die Lieferung eingestellt hat: Hier handelt es sich um eine unrechtmäßige Kündigung. Es besteht somit zumeist ein legitimer Anspruch auf Schadensersatz.

Direkte Beschwerden verlaufen jedoch normalerweise im Sande, und der Gang vor das Gericht kostet sowohl viel Zeit als auch viel Nerven – ein Aufwand, der sich für viele Privatverbraucher nicht lohnt. Für solche Fälle gibt es Rechtdienstleister wie RightNow. Das Angebot des Unternehmens: Nach entsprechender Prüfung kauft es Ihnen den Schadensersatzanspruch ab. Anschließend bereitet RightNow eine gebündelte Sammelklage vor, und zwar auf eigenes Risiko. Für Sie bedeutet das: Ganz gleich wie viel hierbei erlöst wird, die Ihnen angebotene Ausgleichssumme ist fix.

Für die Zukunft lohnt es sich unabhängig davon, schnellstmöglich in einen günstigeren Tarif zu wechseln. Das gilt nicht nur für Verbraucher, die unversehens beim Ersatzversorger gelandet sind, sondern für alle Stromkunden. Überprüfen Sie mit unserem Preisrechner in wenigen Klicks, wie hoch ihre maximale Ersparnis mit einem neuen Energievertrag ist. Bei Interesse kümmern wir uns dann auch gleich um alle Vertragsmodalitäten beim Wechsel – sobald Sie bei uns angemeldet sind, wiederholen wir diesen Prozess jedes Jahr.