Gaspreisentwicklung: Wird Heizen noch teurer?

Seit 2021 wird Gas zum Heizen mit einem CO2-Preis belegt. Dieser kommt zu den ohnehin steigenden Gaskosten in Deutschland hinzu. Welche Auswirkungen die CO2-Bepreisung hat und womit Sie in den kommenden Jahren auf Ihrer Gasrechnung rechnen müssen, erfahren Sie hier.

Wie alles begann

Die Liberalisierung am Gasmarkt

Die Liberalisierung der Strom- und Gasbranche begann 1998 mit einer Energierechtsnovelle, die den deutschen Verbrauchern die freie Wahl ihres Strom- und Gasanbieters ermöglichen sollte. In diesem Zusammenhang sollte der Gasmarkt für neue Versorger geöffnet werden, die ihr Gas vertreiben wollten. Im Gegensatz zum Strommarkt, der rasch wuchs, tat sich auf dem Gasmarkt eine ganze Zeit lang gar nichts. Eine fehlende Regulierungsbehörde sowie komplizierte Mechanismen verzögerten die Öffnung des Marktes für neue Unternehmen.

Erst nach einigen Jahren fand eine tatsächliche Liberalisierung statt, die auf Druck des Europäischen Gerichtshofs vom Bundeskartellamt durchgesetzt wurde. Schließlich konnten zum 1. April 2006 alle privaten Gaskunden ihren Gaslieferanten frei wählen und beliebig wechseln.

Kosten

So setzt sich der Gaspreis zusammen

Jeder private Haushalt, der in Deutschland mit Gas beliefert wird, muss für jede verbrauchte Kilowattstunde Gas ein Entgelt zahlen. Der Gaspreis setzt sich aus drei großen und zwei sehr kleinen Komponenten zusammen:

  • Preis für die Energiebeschaffung, den Vertrieb, sonstige Kosten und Marge
  • staatlich veranlasste Preisbestandteile (Steuern & Abgaben)
  • Netznutzungsentgelte
  • Konzessionsabgabe
  • Kosten für Messungen und Messstellenbetrieb

Mit über 50 Prozent macht der Preis für die Beschaffung und den Vertrieb den größten Anteil aus. Hier liegen auch die größten Einflussmöglichkeiten der Versorger auf den Gaspreis. Alle anderen Bestandteile des Gaspreises werden nicht von den Versorgern, sondern von staatlicher Seite oder von den Netzbetreibern festgelegt.

Den zweitgrößten Kostenpunkt machen die staatlichen Steuern und Abgaben aus. Dazu zählen vor allem die Mehrwertsteuer, die seit Januar 2021 wieder bei 19 statt 16 Prozent liegt, und die Erdgassteuer. Ebenfalls seit Januar 2021 kommt der neue CO2-Preis hinzu, den Versorger zahlen müssen und an die Verbraucher weitergeben. Der CO2-Preis macht für die Verbraucher derzeit noch etwa 0,5 Cent pro kWh aus, wird sich aber bis 2025 schrittweise erhöhen.

Der dritte große Posten sind die Netznutzungsentgelte, die für die Instandhaltung des Gasnetzes und die Durchleitung an die Netzbetreiber gezahlt werden. Diese geben die Versorger ebenfalls an die Verbraucher weiter.

Die Konzessionsabgabe und die Kosten für Messungen und den Messstellenbetrieb machen gemeinsam nicht einmal 5 Prozent des Gaspreises aus und fallen daher kaum ins Gewicht.

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Rückblick

Entwicklung der letzten Jahre

Zwischen 2000 und 2010 stieg der Gaspreis für die Verbraucher stark an. Auch die tatsächliche Liberalisierung des Gasmarktes konnte dieser Entwicklung zunächst nicht entgegenwirken, obwohl dies eins der Ziele der Liberalisierung gewesen ist. Erst ab 2010 setzte sich eine Preisstabilität ein, bis 2018 ließ sich sogar ein leichter Abwärtstrend erkennen, der nur kurzzeitig unterbrochen wurde.

Der Grund für die sinkenden Preise lag in den stabilen und teilweise sinkenden Preisen für das Erdgas aus Norwegen und Russland. Während Importeure im Jahr 2013 noch rund 2,65 Cent pro kWh zahlen mussten, wurden vier Jahre später Preise von unter 1,7 Cent pro kWh aufgerufen. Der Auslöser: Das wachsende Gasangebot auf dem internationalen Markt. Katar wurde quasi über Nacht zu einem der weltweit wichtigsten Exporteure von verflüssigtem Erdgas. Auch bereits am Markt etablierte Förderländer erhöhten ihre Kapazitäten teils erheblich – darunter zum Beispiel Norwegen, Russland und die Vereinigten Staaten.

Keine sinkenden Gaskosten für Verbraucher

Ein Problem aus Verbrauchersicht war sicher, dass die Anbieter Preissenkungen nicht in vollem Umfang und nur verzögert an die Kunden weitergaben. Endverbraucher profitierten also nicht wie erwartet von den gefallenen Rohstoffpreisen – stattdessen sahen die Gasversorger eine Chance, ihren Gewinn zu erhöhen.

Dazu kam, dass die Netzentgelte im Zeitraum zwischen 2009 und 2017 leicht anstiegen. Während private Verbraucher 2007 im Schnitt noch 1,2 Cent pro kWh zahlten, lagen die Netzentgelte 2017 bereits bei rund 1,5 Cent pro kWh.

Ein weiterer Einflussfaktor sind regionale Unterschiede. So lagen die Verbraucherpreise in den neuen Bundesländern lange deutlich höher als in den alten Bundesländern. Die Gründe: stärkerer Wettbewerb unter den Versorgern sowie geringere Kosten für die Infrastruktur. Auch in Großstädten wie Berlin oder Hamburg lassen sich diese Phänomene an den geringeren Gaspreisen ablesen.

Ausblick

So viel werden Gaskunden künftig zahlen müssen

Bereits Ende 2020 war ein Anstieg der Gaspreise für 2021 absehbar. Grund dafür ist zum Einen die seit 01. Januar 2021 geltende Bepreisung von CO2-Emissionen durch Erdgas. Dazu kommt zum Anderen der Preis für die Beschaffung und den Vertrieb des Gases, der langfristig von der Weltwirtschaftslage bestimmt werden wird. In Erwartung einer schnellen Erholung der Wirtschaft nach der Pandemie steigen die Preise an den Rohstoffmärkten wieder – dies geht mit einer lockeren Fiskalpolitik einher, die Geld zur Verfügung stellt, sagt Jan Rabe, Gründer von Wechselpilot und Energiemarktexperte. Eine zusätzliche preissteigernde Wirkung werde wohl auch der Klimaschutz haben, der immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Auch Kosten für den Netzausbau und den Ausbau erneuerbarer Energien werden einen Einfluss auf die Strom- und Gaskosten nehmen. Die angesprochene CO2-Abgabe für Erdgas wird allerdings vollständig dazu genutzt werden, die Verbraucher in Sachen EEG-Umlage zu entlasten. Daher wird der Strompreis im Verhältnis zum Gaspreis voraussichtlich weniger stark steigen.

Jan Rabe warnt daher die deutschen Verbraucher: „Nicht nur in den kommenden Monaten, auch langfristig sollten deutsche Haushalte mit steigenden Preisen für Gas rechnen. Gerade in der aktuellen Diskussion um das Ende des Atomstroms und den Kohleausstieg wird die Nachfrage – und damit auch der Preis – am Gasmarkt steigen. Wer sich vor einer teuren Endabrechnung schützen möchte, sollte sich über einen AnbieterwechselGedanken machen.“

Der Trend beim Gaspreis ist also klar: Es wird teurer. Um einer stetigen Preiserhöhung entgegenzuwirken, sollten Sie also regelmäßig Gastarife vergleichen.

CO2-Bepreisung sorgt für Preiserhöhung ab 2021

Seit Januar 2021 wird die Emission von CO2 mit einem Preis belegt. Hintergrund des sogenannten CO2-Preises ist das 2019 in Kraft getretene Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG), das es CO2-Emittenten vorschreibt, für jede freigesetzte Tonne CO2 ein Emissionszertifikat zu kaufen. Die Zertifikate erlauben es den Gaslieferanten, CO2 durch die Verbrennung Ihres Gases freizusetzen – sie müssen dafür aber einen Preis zahlen.

In dieser Weise versucht die Bundesregierung, den Klimaschutzzielen und den Zielen der Energiewende näher zu kommen, indem langfristig der Verbrach fossiler Energieträger reduziert wird. Bisher beläuft sich der Preis für eine Tonne Kohlenstoffdioxid auf 25 Euro. Bis 2025 soll der Zertifikatpreis auf voraussichtlich bis zu 60 Euro pro Tonne ansteigen. Ab 2026 wird sich der Preis über einen Marktmechanismus bestimmen – durch den Handel mit den Zertifikaten werden die Preise sich zwar für Versorger unterscheiden, grundsätzlich ist aber mit einer weiteren Steigerung zu rechnen. Der Marktmechanismus wird dafür sorgen, dass die Unternehmen oder Versorger, die ihre Kalkulation nicht einhalten und Zertifikate nachkaufen müssen, höhere Preise dafür zahlen müssen. Auf diese Weise wird ein Anreiz geboten, die Emissionen aus Kostengründen zu reduzieren.

Der Preis für die Emissionszertifikate darf von den Gasversorgern an die Kunden weitergegeben werden. Sie können davon ausgehen, dass alle Versorger dies auch tun werden und darum jährlich die Preise erhöhen. Für 2021 können Gaskunden mit einer Erhöhung um 0,5 Cent pro Kilowattstunde rechnen, die auf den CO2-Preis zurückzuführen ist. Auf diesen Preiszuschlag haben die Versorger – anders als auf den Preis für die Beschaffung und den Vertrieb des Gases – keinen Einfluss. Ein Gaswechsel lohnt sich dennoch jedes Jahr, da die Versorger oft attraktive Tarife mit Bonuszahlungen bereithalten, von denen Neukunden nur im ersten Vertragsjahr profitieren.

Sonderkündigung

Steigende Gaspreise? So können Sie reagieren!

Versorger, die den vertraglich vereinbarten Grundpreis erhöhen – egal aus welchem Grund -, sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Kunden über die Preiserhöhung zu informieren. Die Benachrichtigung erfolgt meist postalisch oder per E-Mail. Besonders trickreiche Versorger tarnen die Mitteilungen über Preiserhöhungen in Flyern, die auf den ersten Blick nach Reklame aussehen – seien Sie also achtsam, wenn ein Schreiben Ihres Versorgers im Briefkasten oder dem E-Mail-Postfach liegt. Durch eine Preiserhöhung wird der bestehende Vertrag einseitig gebrochen, wodurch für den Kunden automatisch ein Recht zur Sonderkündigung entsteht. Der Versorger ist verpflichtet, Sie auf dieses Recht hinzuweisen.

Unabhängige Stellen wie der Verbraucherschutz oder das Bundeskartellamt empfehlen in solchen Fällen einen Lieferantenwechsel. Während ein einmaliger Wechsel die Kosten meist nur im ersten Jahr reduziert, profitieren Verbraucher, die jedes Jahr wechseln, immer wieder von neuen Bonuszahlungen und günstigeren Tarifen – und zahlen langfristig bis zu 30 Prozent weniger für Gas und Strom.

Sie haben keine Lust auf den jährlichen Wechsel und möchten den Aufwand lieber abgeben? Dann empfehlen wir Ihnen unseren unabhängigen und automatischen Wechselservice, der Ihre Gaskosten dauerhaft optimiert und Sie vor unerwünschten Preiserhöhungen schützt.

Tipps für Hauseigentümer

Wer ein Eigenheim besitzt und die Wohnfläche mit Gas oder Heizöl warm hält, sollte sich jetzt Gedanken über eine Investition in ein neues Heizsystem machen. Wechselpilot-Gründer und Marktexperte Jan Rabe prognostiziert, dass der Emissionshandel bei Hauseigentümern in den kommenden Jahren merkbare Kosten verursachen wird. Besonders jetzt lohne sich daher der Austausch einer Ölheizung zugunsten einer Wärmepumpe. Auch Investitionen in Wärmedämmung seien jetzt sinnvoll, um die steigenden Gaskosten so gering wie möglich zu halten.

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Einflussfaktoren

Gaspreisschwankungen durch Ölpreisbindung

Infolge der begrenzten inländischen Gasvorkommen findet die Förderung von Erdgas in Deutschland nur sehr eingeschränkt statt. Über 90 Prozent werden aus dem Ausland importiert. Importe stammen größtenteils aus Russland, Norwegen und den Niederlanden, wobei Russland etwa ein Drittel des deutschen Bedarfs abdeckt.

Eine Folge dieser Importabhängigkeit: Der enge Zusammenhang zwischen Gas- und Ölpreis, der in der Ölpreisbindung begründet liegt. Als sich in den 1960er Jahren viele Produzenten entschlossen, neben Öl auch Gas zu fördern, wurde die Preisbindung als Vereinbarung zwischen Produzenten und Versorgern getroffen, um

  • notwendige Investitionen für die neue Erdgasförderung zu decken,
  • einen Konkurrenzkampf zwischen Öl und Gas zu verhindern und
  • für langfristig stabile Erdgaspreise zu sorgen.

Während Lieferanten durch die Preisbindung also eine Garantie für ihre Investitionen in den Aufbau der Infrastruktur erhielten, sollten Kunden durch die Kopplung für Gas nicht mehr bezahlen als für Öl. Lange Zeit galt der Ölpreis als Richtwert, der mit einem zeitlichen Abstand von etwa sechs Monaten den Gaspreis beeinflusste. 2008 geriet die Ölpreisbindung verstärkt in die Kritik: Nachdem im Sommer die Rohölpreise in bislang unbekannte Höhen schossen, zog der Gaspreis nach und explodierte ausgerechnet zu Beginn der kalten, heizintensiven Jahreszeit. Zwar sorgte die im Winter 2008 einsetzende Finanzkrise für weltweit fallende Ölpreise – durch den zeitlichen Verzug profitierten Verbraucher davon allerdings erst im Frühjahr 2009, als es wieder wärmer wurde.

Ein Jahr später erklärte der Bundesgerichtshof die ausschließliche Preisbindung in Verträgen zwischen Versorgern und Privatkunden für unwirksam. Dennoch gilt: Die Ölpreisbindung wurde nicht grundsätzlich gekippt. In Lieferverträgen zwischen ausländischen Produzenten und deutschen Versorgern kann die Bindung weiterhin enthalten sein, darf aber nicht alleinige Grundlage für Preisanpassungen für Endkunden sein. Aktuell beeinflussen Ölpreisveränderungen etwa zu 30 % den Gaspreis.

So entstehen steigende Gaspreise

Ölpreisbindung und Importabhängigkeit sind nur zwei Faktoren, die den Gaspreis direkt und oftmals recht abrupt beeinflussen. Auch das Wetter und Klimaveränderungen in unseren Breitengraden haben Auswirkungen auf den Gaspreis. Nach einem trockenen, heißen Sommer steigen die Preise regelmäßig. Der Grund liegt darin, dass die Flussschifffahrt aufgrund niedriger Wasserstände weniger Kohle transportieren konnte und vermehrt gasbetriebene Stromkraftwerke in Betrieb sind.

So entstehen sinkende Gaspreise

Demgegenüber stehen Auswirkungen neuer Fördertechnologien auf das weltweite Angebot. Beispielsweise sind die Vereinigten Staaten durch Fracking (Förderung von Gasvorkommen in Gesteinsschichten durch künstlich gebohrte Fließwege) sehr schnell zu einem der größten Erzeuger von Erdgas aufgestiegen. Ebenfalls kommt es zu sinkenden Gaspreisen, wenn die Weltwirtschaft weniger rasant wächst und Überangebote am Markt einer sinkenden Nachfrage gegenüberstehen. Dies ist im Jahr 2020 durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie passiert, als die Weltwirtschaft in vielen Sektoren weitgehend still stand. Gleiches gilt übrigens, wenn in den Ölförderregionen der Welt politischer Frieden herrscht. Die Ölpreisbindung sorgt dann dafür, dass sich der Preis für Erdgas in Deutschland entspannt.

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