Netzbetreiber & Netzentgelt: Was Sie wissen sollten!

In einigen Städten und Regionen Deutschlands stiegen die Strompreise in den letzten Jahren rasanter als in anderen. Ausschlaggebend können hier die sogenannten Netzentgelte sein. Diese sind in den letzten zehn Jahren bundesweit um ungefähr 27 Prozent gestiegen. In einigen Regionen Deutschlands sinken die Netzentgelte aber auch immer wieder. Wie kommen diese Schwankungen zustande, was sind Netzentgelte überhaupt und wer ist mein Netzbetreiber? Hier erfahren Sie alles, was es zu Netzbetreibern und Netzentgelten zu wissen gibt.

Netznutzungsentgelte

So setzen sich Netzentgelte zusammen

Netznutzungsentgelte, auch Netzentgelte genannt, müssen für die Bereitstellung des Netzes von den Nutzern an die Betreiber gezahlt werden. Die Nutzer sind in der Regel die Energieversorger, die auf diesem Weg ihre Kunden mit Strom beliefern. Die Kosten, die für die Versorger entstehen, geben diese an die Kunden weiter – das Netzentgelt ist also bereits im Strompreis enthalten. Das Netzentgelt macht ungefähr ein Viertel der Stromrechnung aus.

Festsetzung des Netzentgelts

Bei den Stromnetzen handelt es sich um natürliche Monopole, auf die der Wettbewerb nur begrenzt einwirken kann. Dadurch fehlt eine Preisregulierung durch Angebot und Nachfrage. Um Monopolgewinne der Netzbetreiber zu verhindern und Effizienzsteigerungen herbeizuführen, werden Stromnetzbetreiber durch die Bundesnetzagentur und Landesregulierungsbehörden reguliert. Dieser Mechanismus nennt sich Anreizregulierung.

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Dazu werden Regulierungsperioden von jeweils fünf Jahren festgelegt, vor denen bestimmt wird, welche Erlöse dem Netzbetreiber pro Jahr zur Verfügung stehen sollen. Um diese Bestimmung durchführen zu können, werden die betriebsnotwendigen Kosten des Netzbetreibers geprüft. Während der Regulierungsperiode kann der Netzbetreiber mit den genehmigten Erlösen seine Aufgaben wahrnehmen. Durch die Fixierung der Erlöse vor der Regulierungsperiode sind die tatsächlichen Kosten und die Erlöse unabhängig voneinander. So wird für alle Netzbetreiber der Anreiz geschaffen, durch eine erhöhte Produktivität die Betriebskosten zu senken.

Gelingt es den Betreibern, die Kosten möglichst weit unter dem festgelegten Erlös zu halten, können sie eine Prämie einbehalten und mit einer Berücksichtigung des kosteneffizienten Wirtschaftens für die nächste Regulierungsperiode rechnen. So profitiert in der folgenden Regulierungsperiode auch der Verbraucher von einer Preissenkung. Die Betreiber sind also angehalten, besser als andere Netzbetreiber und besser als sie selbst in der Vergangenheit zu wirtschaften und zu investieren, um letztlich einen Gewinn zu erzielen.

Wer jetzt allerdings denkt, man könnte Kosten sparen, indem der Netzbetreiber gewechselt wird, den müssen wir leider enttäuschen. Ein Wechsel ist nicht möglich – es bleibt nur zu hoffen, dass der örtliche Netzbetreiber effizient wirtschaftet. Wer trotzdem sparen will, sollte checken, ob sich ein Versorgerwechsel lohnt. In den meisten Haushalten ist das der Fall!

Netzbetreiber

So kommt der Strom zu Ihnen nach Hause

In Deutschland gibt es zwei Arten von Netzbetreibern. Neben den vier großen Übertragungsnetzbetreibern Tennet TSO, 50Hertz Transmission, Amprion und TransnetBW, die Strom über das Höchst- und Hochspannungsnetz über große Entfernungen transportieren, zählen wir in Deutschland fast 900 regionale Verteilnetzbetreiber, die über Nieder- und Mittelspannungsnetze die Stromlieferung zu den Verbrauchern möglich machen.

Die Netzbetreiber sorgen für den Anschluss der Verbrauchsstellen an das Stromnetz und halten gleichermaßen das Netz in Stand. Darüber hinaus tragen die Netzbetreiber Sorge für die Netzstabilität – wenden Sie sich bei einem Stromausfall also nicht an den Versorger, sondern an den Netzbetreiber. Welches Unternehmen Ihr Netzbetreiber ist, können Sie Ihrer Stromrechnung entnehmen – dort wird der Netzbetreiber häufig namentlich genannt. Sollte das nicht der Fall sein, können Sie Ihren Netzbetreiber über den dort angegebenen Code ausfindig machen.

Netzbetreiber und Versorger sind zu unterscheiden

Auch wenn es manchmal aufgrund des Namens so wirken kann, als seien der regionale Netzbetreiber und der Grundversorger identisch, sollte man hier genau hinsehen. Netzbetreiber und Versorger sind gesetzlich verpflichtet, die Geschäftsbereiche aufzuteilen, auch wenn beide zum selben Unternehmen gehören können. Hintergrund ist die deutliche Unterscheidung zwischen Netzbetrieb und Energiebelieferung seit der Energiemarktliberalisierung sowie ein diskriminierungsfreier Zugang in jedes Netzgebiet für alle Energielieferanten.

Jetzt Ersparnis berechnen trotz steigender Netzentgelte

Auch wenn der Netzbetreiber immer derselbe ist – Sie haben trotzdem die Möglichkeit, ihre Stromrechnung zu senken. Wer nicht von der Wirtschaftlichkeit des Netzbetreibers abhängig sein, aber jedes Jahr eine Ersparnis verzeichnen möchte, sollte seinen Stromvertrag beim Versorger checken. In der Regel lassen sich steigende Netzentgelte durch einen klugen Wechsel ausgleichen. Und für alle, die es besonders bequem haben möchten, ermitteln wir schnell, kostenlos und unverbindlich einen neuen, günstigen Stromtarif.

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Entwicklung

Darum stiegen die Netzentgelte in den letzten zehn Jahren

Seit der Gesetzgeber entschied, die kostenbasierte Regulierung der Netzbetreiber durch eine Anreizregulierung zu ersetzen, sanken die Netzentgelte ab 2009 zunächst spürbar und blieben auf einem niedrigen Niveau. Dieser für die Verbraucher positive Trend hielt sich aber nur für wenige Jahre – bereits 2012 stiegen die Netzentgelte aus vielfältigen Gründen wieder stetig.

Der durchschnittliche Cent-Preis pro Kilowattstunde (kWh) bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.500 kWh lag 2009 bei 5,73 ct/kWh – 2018 lag der Durchschnitt bei 7,27 ct/kWh, während 2017 sogar ein Zuwachs auf 7,51 ct/kWh zu verzeichnen war. Das macht eine Steigerung der Netzentgelte um rund 27 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Hierbei handelt es sich aber lediglich um den Bundesdurchschnitt. Regional können die Netzentgelte stark in beide Richtungen abweichen.

Regional teils große Unterschiede

Die Energiewende, aber auch geographische Gegebenheiten, können dafür sorgen, dass Netzentgelte regional deutlich unter oder über dem Bundesdurchschnitt liegen.

  • Dies liegt zunächst daran, dass die vier großen Übertragungsnetzbetreiber, die das Bundesgebiet untereinander aufgeteilt haben, am Ende jeden Jahres die Netzentgelte für das kommende Jahr bekannt geben und darin bereits den Grundstein für uneinheitliche Netzentgelte legen.
  • Während beispielsweise im Norden des Landes die Netzentgelte steigen, sind im Süden im Vergleich zum Vorjahr sogar Netzentgeltsenkungen möglich. Dies hängt immer von der Wirtschaftlichkeit des Netzbetriebs ab – ebenso wie von notwendigen Investitionen, zum Beispiel in den Netzausbau oder für Eingriffe zugunsten der Stabilität.
  • In Regionen mit einem hohen Windkraftpotential ist außerdem regelmäßig mit Steigerungen zu rechnen: Der aus der Windenergie gewonnene Strom wird häufig weit entfernt von Verbrauchsschwerpunkten erzeugt – zum Beispiel in Windparks in der Nordsee – und muss entsprechend weite Wege für eine Verteilung an Abnehmer zurücklegen.
  • Dazu kommen regionale Herausforderungen, vor denen die Verteilnetzbetreiber stehen. Werden in Großstädten neue Stadtteile und Baugebiete erschlossen, müssen die Netze massiv ausgebaut werden.
  • Auch bei einer starken Zunahme der Bevölkerungsdichte an bestimmten Orten oder Regionen, ist der Netzbetreiber für den Anschluss und Ausbau der Netze verantwortlich.
Messstellenbetreiber

Betrieb von Stromzählern durch die Netzbetreiber

Neben den Netzbetreibern spielen auch die Messstellenbetreiber eine wichtige Rolle. Ihre Aufgabe ist es, Stromzähler ein- und auszubauen und diese zu betreiben, dazu gehört insbesondere das Ablesen des Zählerstandes und die Übermittlung der Daten an Versorger und Netzbetreiber.

Seit 2008 haben Verbraucher die Möglichkeit, den Messstellenbetreiber selbst zu wählen. Sollten Sie dies bisher nicht getan haben, wird in der Regel der Verteilnetzbetreiber der grundzuständige Messstellenbetreiber sein, wie es auch schon vor der Wechselmöglichkeit war. Die Kosten für Ihren Stromzähler können Sie Ihrer Stromrechnung entnehmen.

Bis 2032 flächendeckend digitale Stromzähler

Seit 2010 sind in Neubauten verpflichtend digitale Zähler zu verbauen. Die Mehrheit der Haushalte zählt ihren Stromverbrauch aber noch mit analogen Zählern. Diese zählen durch das Drehen der Zählscheibe lediglich den Strom, der vom Netz abgenommen wird. Genaue Analysen über Stromfresser oder einen Tagesverbrauch kann man nur sehr eingeschränkt vornehmen. Die digitalen Zähler dagegen zeichnen den Stromverbrauch über den Tag auf und speichern die Daten für eine spätere Analyse. Geht der Zähler noch darüber hinaus, indem er den Stromverbrauch für jede Viertelstunde eines Tages aufzeichnet und sich aus der Ferne auslesen lässt, handelt es sich um einen intelligenten Zähler (Smart Meter).

Der Gesetzgeber hat 2017 festgelegt, dass bis 2032 fast alle Haushalte mit digitalen oder intelligenten Stromzählern ausgestattet sein sollen. Seit 2020 kann Ihnen der Einbau eines intelligenten Messsystems sogar vorgeschrieben werden: Verbrauchen Sie mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom im Jahr, kann Ihnen der Einbau eines neuen Systems von Ihrem Messstellenbetreiber angekündigt werden. Sie können sich aber auch selber für einen digitalen Stromzähler entscheiden und Ihren Messstellenbetreiber zum Einbau auffordern.

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