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Das Wichtigste in 30 Sekunden

Ähnlich wie bereits 2021 bis 2023, als Russlands Gaslieferstopp eine globale Energiekrise auslöste, gerät der Energiemarkt erneut ins Wanken. Grund dafür ist die Schließung der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Kriegs 2026. Der Unterschied: Deutschland ist nicht unmittelbar betroffen, unter anderem wegen diversifizierteren Lieferwegen sowie verschärften Gasspeicherregelungen. Dennoch bestimmt die Krise den globalen Markt, und auch in Deutschland steigen Inflation und Spritpreise. Zudem spitzt sich die politische Debatte um den Ausbau erneuerbarer Energien weiter zu, nachdem Bundesministerin Reiche Pläne vorgestellte, den Ausbau zu bremsen. Gegenstimmen warnen allerdings vor einer großen Abhängigkeit von fossilen Energieträgern.

Seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar 2026 geraten die Energiemärkte erneut unter Druck, denn innerhalb weniger Tage sprang der globale Ölpreis um mehr als ein Drittel nach oben. Anfang April lag der Ölpreis dann schon rund  50 Prozent über dem Vorkriegsniveau. Gleichzeitig verteuerte sich Flüssiggas (LNG) in den ersten vier Kriegswochen um drei Viertel des Preises. Grund dafür ist die Störung der Lieferketten, da die Straße von Hormus weitgehend geschlossen ist. Ein wichtiges Nadelöhr, an dem normalerweise ein Fünftel der Öl- und Gasexporte auf die Weltmärkte gelangt. Momentan leiden vor allem südostasiatische Länder unter dem ausbleibenden Öl und Gas, doch auch Deutschland spürt die ersten Auswirkungen durch teure Sprit- und Gaspreise. Wie weit wird Deutschland die Folgen noch zu spüren bekommen und welche Parallelen gibt es zu der Energiekrise aus 2021 bis 2023? 

Wie ist es zur Energiekrise 2021 bis 2023 gekommen?

Die Energiekrise 2021 bis 2023 hatte keinen einzelnen Auslöser, sondern entwickelte sich in mehreren Stufen. Schon 2021 stiegen die Energiepreise und europäische Gremien diskutierten die Belastungen für Haushalte und Unternehmen. Damit war die Ausgangslage bereits angespannt, bevor Russland die Ukraine angriff. 

Mit dem russischen Angriff und der Kriegserklärung im Februar 2022 eskalierte die Situation jedoch, denn Russland nutzte seine Gasexporte als Druckmittel und löste damit eine globale Energiekrise aus. 2022 und 2023 kam es in der Folge zu einem starken Anstieg der Energiepreise, mit denen Haushalte und energieintensive Branchen zu kämpfen hatten.  Das Handelsblatt hält rückblickend fest, dass die Energiekrise bis heute nicht komplett überwunden ist und insbesondere die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrie dauerhaft Schaden genommen hat. 

Energiekrise 2026: Die Grafik der Strompreisentwicklung 2016-2026 verdeutlicht den starken Anstieg der Preise von 2022 und 2023.
Das Strompreisniveau erreichte 2023 ein historisches Hoch. Mehr zur Strompreisentwicklung seit 1998 erfahren Sie hier.

Was waren Maßnahmen und Lerneffekte der Energiekrise 2022?

  • Fossile Abhängigkeiten machen verletzlich: Geopolitische Konflikte können Preis- und Marktschocks auslösen, da durch sie fossile Lieferketten gestört und Lieferbeziehungen kurzfristig neu organisiert werden müssen  so wie der Import von fossilem Gas aus Russland. 
  • Resilienz stärken: Aus der Abhängigkeit zu Russland, die unter anderem zur Krise führte, wurde die Notwendigkeit zur Diversifizierung der Versorgungswege abgeleitet: Durch Importe, die sich auf mehrere Kontinente wie Amerika, Afrika, Europa, Australien und Asien stützten, sowie ein verstärkter Ausbau der Erneuerbaren Energien. 
  • Weg von Öl und GasREPowerEU wurde im Mai 2022 vorgestellt, um Energie zu sparen, die Versorgung zu diversifizieren und den Ausbau sauberer Energie zu beschleunigen. Laut der Europäischen Kommission wurde das Energieeffizienzziel von 9 auf 13 Prozent (bis 2030) angehoben, die Abhängigkeit von russischer Energie fast überwunden und in der EU erstmal mehr Strom aus Wind- und Sonnenenergie erzeugt als aus Gas. Zudem wurden erneuerbare Energien im hohen Tempo ausgebaut.  
  • Die Auswirkungen gehen über “Heizen und Tanken” hinaus: Wenn Energie teuer und unsicher wird, trifft das nicht nur Haushalte, sondern vor allem die Industrie und die Rohstoffversorgung, was sich wiederum auf die Konsumentenpreise überträgt. 
  • Krisenreaktionen können neue Schäden erzeugen: Laut FAU-Studie führte der zeitweilige Wechsel von Gas- auf Kohleverstromung zwar zur Versorgungssicherheit und zu Preisvorteilen, aber auch zu zusätzlichen Umwelt- und Gesundheitskosten von 1 Mrd. Euro in sechs der betrachteten EU-Länder. 
  • Vorsorge braucht Regeln, die im Ernstfall tragen: Neue Regelungen, die in der Energiekrise 2022 geschlossen wurden, sollen in zukünftigen Krisen helfen: Nach den neuen Gasspeicher-Vorschriften müssen die EU-Länder so zum Beispiel nun die Speicheranlagen bis zum 01. November jeden Jahres zu 90 Prozent befüllt haben. Auch wurde eine EU-Energieplattform ins Leben gerufen, um EU-Länder bei der Zusammenarbeit auf dem globalen Markt zu unterstützen und den Wettbewerb innerhalb von Europa zu reduzieren. 

Energiekrise 2026 vs 2022: Was ist jetzt anders?

Der Präsident des Europäisches Rates, Charles Michel, sagte 2022: “Russland hat eine Energierakete auf den europäischen Kontinent und die Welt abgefeuert”. Damit beschrieb er die Zeit, in der Europa mit einem massiven Energie- und Preisschock umgehen musste. 2026 klingt diese Aussage wieder hoch aktuell: Auch der Krieg am Persischen Golf 2026 hat sich laut Bundeszentrale für politische Bildung zur weltweiten Energiekrise ausgeweitet.  

Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass sich die Energiekrise 2026 anders als 2022 zumindest in Deutschland über keine direkte Abhängigkeit äußert. Somit herrscht (noch) nicht die gleiche Dringlichkeit wie 2022. Denn Deutschlands Lieferanten kommen kaum aus dem Nahen Osten, weshalb die Versorgung gesichert sein sollte. Andererseits beeinflusst der Weltmarkt Öl- und Gaspreise und Veränderungen wirken sich damit auch auf Deutschland aus. 

Bisher sind “nur” Benzin, Diesel und Heizöl teurer geworden: Vor Kriegsbeginn kostete ein Liter Super E10 im Tagesdurchschnitt 1,778 Euro, Diesel lag mit 1,746 Euro leicht darunter. Seither ist Diesel jedoch teurer als Superbenzin, mit einer Preisspitze von 2,368 Euro – was ein Drittel teurer ist. Super E10 hat sich hingegen nur etwa ein Fünftel verteuert. Wegen der gestiegenen Spritpreise beschloss die Bundesregierung, dass Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen dürfen.  

Die Strom- und Gaspreise bleiben insgesamt weiterhin stabil und zeigen laut BDEW nur leichte Schwankungen. Gründe dafür sind unter anderem die beschlossenen Maßnahmen der letzten Energiekrise:  

  • langfristige Beschaffungsstrategien der Stadtwerke,  
  • die 2022 beschlossenen Gasspeicherreserven, 
  • diversifiziertere Importe, 
  • ein mittlerweile höherer Anteil von erneuerbaren Energien,  
  • und eine bislang geringere Betroffenheit. 

Trotzdem bleibt der Mechanismus ähnlich wie 2022: Die Energiekrise wirkt als Angebotsschock, der sich von Energiepreisen, wie momentan Diesel, auf weitere Güter zieht. Nach dem ersten Schub könnten zeitverzögert auch Nahrungsmittel und Industrieprodukte teurer werden. Vor allem aber werden Inflationserwartungen diesmal eventuell sensibler reagieren, weil sich die Wirtschaft noch nicht von der letzten Inflationswelle erholt hat. 

Wird Deutschland die Abhängigkeit von fossiler Energie senken?

Die neue Energiekrise steigert erneut die Angst, dass Deutschland bei Öl und Gas noch immer zu stark von fossilen Importen abhängt denn Deutschland investiert jährlich über 80 Milliarden Euro für den Import fossiler Energieträger. 

Nach einer YouGov-Umfrage im Auftrag des Bundesverbands Solarwirtschaft (März 2026) empfanden 78 Prozent der Bevölkerung die starke Abhängigkeit Deutschlands von Energieimporten als (eher) bedrohlich. Währen 68 Prozent sich wünschten, dass die Bundesregierung die Abhängigkeit von Öl- und Erdgasimporten durch einen stärkeren Einsatz von Erneuerbaren und Speichern reduziert.  

Denn mehr heimische Erzeugung kann fossile Abhängigkeit tatsächlich senken, vor allem im Stromsektor. So ersetzt Photovoltaikstrom anteilig bereits 33 Prozent Strom aus Erdgas, 55 Prozent aus Steinkohle und 12 Prozent aus Braunkohle.  

Umso politischer wird die Frage, wie konsequent Deutschland diesen Pfad weitergeht, denn im geplanten Netzpaket von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) sollen Förderungen und Netzzugang für Solar- und Windkraft ab 2027 gebremst bzw. stärker eingeschränkt werden. Begründet ist dieser Plan mit dem Ziel, den Ausbau der Erneuerbaren enger mit dem Netzausbau zu synchronisieren. Dagegen gibt es jedoch heftigen Protest, so sprechen die Grünen von einem “Energiewende-Killerpaket” und einem “Frontalangriff auf die Energiewende”, aber auch aus der SPD kommt Kritik, denn besonders im Hinblick auf den Iran-Krieg zeige sich die Verletzbarkeit Deutschlands und die Abhängigkeit von fossiler Energie 

Es bleibt also abzuwarten, ob Deutschland bei der aktuellen Krisenlage eher auf Beschleunigung oder Drosselung des EE-Ausbaus setzt. Wer unabhängig davon selbst die fossile Abhängigkeit reduzieren will, kann mit Wechselpilot zu einem Ökostrom-Tarif wechseln – oder wenn möglich, auf Photovoltaik-Anlagen umstellen, um einen Teil des Eigenbedarfs selbst zu produzieren.