Deutschland kommt beim Einbau intelligenter Stromzähler nur langsam voran. Zwar wurde Ende 2025 die gesetzliche Pflichtquote von 20 Prozent mit 23,3 Prozent sogar übertroffen, doch wurden insgesamt erst 5,5 Prozent aller Messstellen in Deutschland mit einem Smart Meter ausgestattet. Kleine Messstellenbetreiber hinken dabei deutlich hinterher. Bis 2032 sollen 90 Prozent aller verpflichteten Messstellen ausgebaut sein. Smart Meter sind wichtig, weil sie die Grundlage für dynamische Stromtarife und eine intelligentere Nutzung erneuerbarer Energien bilden.
Der Smart-Meter-Rollout bezeichnet den schrittweisen Einbau von intelligenten Messsystemen (iMSys) in Deutschland. Diese erfassen alle 15 Minuten Messwerte und übermitteln sie verschlüsselt an Netzbetreiber, Energielieferanten und Messstellenbetreiber, damit das immer komplexer werdende Stromsystem besser steuerbar wird. Seit 2025 ist der Einbau für bestimmte Verbrauchergruppen gesetzlich verpflichtend, doch der Ausbau kommt bislang nur schleppend voran.
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Aktuelle Zahlen und Daten des Smart-Meter-Rollouts
Bei den gesetzlich definierten Pflichteinbaufällen wurde das erste Etappenziel Ende 2025 zwar erreicht, insgesamt bleibt die Verbreitung von Smart Metern aber niedrig.
Am 31.12.2025 sollten grundzuständige Messstellenbetreiber bei den Pflichteinbaufällen eine Quote von 20 Prozent erreichen. Laut Bundesnetzagentur lag die tatsächlich erreichte Quote sogar bei 23,3 Prozent. Allerdings bezieht sich die Zahl ausschließlich auf Pflichteinbaufälle, also Letztverbraucher mit einem Jahresverbrauch von 6.000 – 100.000 kWh sowie steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Das sind beispielsweise Haushalte mit Photovoltaikanlagen oder Wärmepumpen.
Betrachtet man nicht nur die Pflichtfälle, sondern alle Messlokationen in Deutschland, ergibt sich ein deutlich nüchterneres Bild. Ende 2025 waren rund 3,1 Millionen intelligente Messsysteme verbaut, das entspricht 5,5 Prozent der insgesamt rund 56,5 Millionen Messlokationen. Zum Vergleich: Moderne Messeinrichtungen, digitale Zähler ohne Gateway und ohne Fernkommunikation, waren zum gleichen Zeitpunkt bereits an 53,8 Prozent aller Messstellen installiert. Das sind etwa 30,4 Millionen Geräte.

Wieso kommt der Smart-Meter-Rollout nicht voran?
Gemäß § 45 MsbG sollen bis 2032 mindestens 90 Prozent aller verpflichteten Messstellen mit einem Smart Meter ausgestattet sein. Angesichts des bisherigen Tempos erscheint dieses Ziel ambitioniert.
Ein wesentlicher Grund für den schleppenden Ausbau liegt in der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit der Messstellenbetreiber. Die Bundesnetzagentur weist dabei deutliche Unterschiede nach Größenklassen aus:
- 19 sehr große Betreiber mit mehr als 500.000 Messlokationen erreichen mit durchschnittlich 27,1 Prozent als einzige Gruppe deutlich die gesetzliche Mindestquote von 20 Prozent.
- 66 große Betreiber mit 100.000 bis 500.000 Messlokationen liegen mit 19,7 Prozent knapp unter der Zielmarke.
- 129 mittlere Betreiber mit 30.000 bis 100.000 Messlokationen erreichen im Durchschnitt 17,5 Prozent und verfehlen die Quote merklich.
- 599 kleine Betreiber mit weniger als 30.000 Messlokationen bilden mit durchschnittlich 14,6 Prozent das Schlusslicht. Diese große Anzahl kleiner Akteure bremst das Tempo insgesamt stark aus.
Gegen 77 Betreiber, die die gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllen oder den Rollout noch nicht begonnen haben, hat die Bundesnetzagentur Verfahren eingeleitet. Bei anhaltender Nichterfüllung drohen Bußgelder. Laut BDEW nennen betroffene Unternehmen vor allem hohe IT- und Prozessanforderungen sowie Ressourcenengpässe als Gründe für die Verzögerungen.
Ökostromanbieter gründen Initiative zur Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts
Neben den gesetzlichen Vorgaben haben jedoch auch Stromanbieter ein Interesse an einem schnellen Ausbau. Denn nur wenn Kundinnen und Kunden mit einem Smart Meter ausgestattet sind, können sie auch dynamische Tarife abschließen. Die drei Ökostromanbieter Tibber, Octopus Energy und Rabot Energy haben sich gemeinsam mit den Netzbetreibern EWE NETZ und Netze BW zur Smart-Meter-Initiative zusammengeschlossen. Kooperativ wollen sie den Ausbau fördern.
Mit der Initiative wurde aus Gründen der Transparenz der Smart-Meter-Atlas ins Leben gerufen. Dieser basiert auf den Daten der Bundesnetzagentur zu den Rollout-Quoten aller Netzbetreiber. Die Zahlen verdeutlichen, dass zwischen Ende September und Ende Dezember 2025 die bundesweite Smart-Meter-Abdeckung von 3,8 auf 5,5 Prozent gestiegen ist. Unter den zehn größten Netzbetreibern führt das Stromnetz Berlin mit 53,1 Prozent, gefolgt von Westnetz (49,8 %) und der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom (46,6 %). Am untersten Ende der großen Netzbetreiber liegt Bayernwerk Netz mit 25,3 Prozent. Kleinere Betreiber wie die Raubling Papier GmbH und die VW Kraftwerk GmbH haben zum Ende des vierten Quartals 2025 bereits eine 100-prozentige Pflichtrollout-Quote erreicht.
Was hat der Smart-Meter-Rollout mit dynamischen Tarifen und grünem Strom zu tun?
Smart Meter sind eine technische Voraussetzung dafür, Stromverbrauch und Stromangebot besser aufeinander abzustimmen. In einem Energiesystem, das immer mehr auf erneuerbare Energien setzt und gleichzeitig strombasierte Anwendungen wie Wärmepumpen und Elektroautos integrieren muss, werden intelligente Messsysteme zunehmend wichtiger. Netzbetreiber können den Zustand des Stromnetzes in Echtzeit überwachen und bei Ungleichgewichten zwischen Einspeisung und Verbrauch gegensteuern. Energielieferanten wiederum sind in der Lage, den tatsächlichen Verbrauch minutengenau abzurechnen und dynamische Tarife anzubieten, statt wie bisher auf Schätzwerte angewiesen zu sein.
Dynamische Tarife orientieren sich an zeitlich schwankenden Strompreisen, wie etwa an den Preisen der Strombörse. Um Kundinnen und Kunden korrekt nach Zeitfenstern abrechnen zu können, braucht es Messwerte in hoher zeitlicher Auflösung.
Die Idee dahinter ist, dass Haushalte ihren Verbrauch gezielt in Zeiten verlagern können, in denen der Strom am günstigsten ist. Denn je mehr Solar- und Windenergie ins Netz gelangt, desto stärker schwankt das Angebot. Smart Meter und die daran geknüpften Tarife sollen helfen, die Nachfrage flexibler zu steuern und die Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher günstiger zu gestalten.