Weltweit zeigen Länder wie Bhutan, Paraguay, Albanien, Island und Norwegen, dass 100 % erneuerbare Energien möglich sind – meist dank Wasserkraft. Diese Beispiele machen deutlich, wie vollständige erneuerbare Versorgung funktionieren kann, jedoch auch oft von geografischen Vorteilen oder geringen Bevölkerungszahlen abhängt. Gleichzeitig bestehen Herausforderungen wie politische Spannungen oder fehlender Energiezugang, wie etwa in Äthiopien oder dem Kongo.
Weltweit gibt es Länder, die bereits heute ihren Strom nahezu vollständig aus erneuerbaren Energien gewinnen. Dazu zählen Energiequellen wie Wasser- und Windkraft, Sonnenenergie, Biomasse, Abfallverwertung, Geothermie sowie Wellen- und Gezeitenkraft. Auch in Deutschland ist der Ausbau der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren stark vorangeschritten. Zwar könnte sich dieses Wachstum künftig etwas verlangsamen, dennoch erzeugt Deutschland bereits rund 60 % seines Stroms aus erneuerbaren Quellen und gehört international zu den Ländern, die mit am stärksten im erneuerbaren Bereich wachsen.
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Vorreiter in Europa: Albanien
In Europa hat Albanien mit 100 Prozent erneuerbarem Strom die Nase vorn. Ein Großteil des Stroms wird aus Wasserkraft gewonnen, ein kleinerer Teil wird mittels Solarenergie erzeugt. Albanien ist heute in einer günstigen Position, weil das Land frühzeitig darauf verzichtete, Kohle- oder Atomkraftwerke zu errichten, die im Zuge der Energiewende nun abgeschaltet oder umgerüstet werden müssten. Stattdessen nutzte Albanien von Beginn an vor allem die vorhandenen Ressourcen Sonne und Wasser. Um das Land unabhängig mit Energie versorgen zu können und auf Energieimporte aus dem Ausland verzichten zu können, lagen hier bereits vor Jahren die erneuerbaren Energien nahe. Nun profitiert das Land von diesem Schritt.
Auch hier ist aber das Problem, dass die Klimakrise die Gewässer bedroht und angesichts der Endlichkeit der Ressourcen die Stromproduktion aus Wasserkraft größeren Gefahren ausgesetzt ist.

Musterbeispiel Bhutan
Der kleine Staat im Himalaya-Gebirge erzeugt für seine knapp 800.000 Einwohner*innen 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen. Dazu nutzt Bhutan Wasserkraftwerke. Nur ein Bruchteil der Energie wird durch Solar- und Windenergie erzeugt, weil diese Technologien bisher noch zu teuer für das arme Land sind.
Bhutan kann das gesamte Land mit Wasserkraft versorgen und zusätzlich große Strommengen an das Nachbarland Indien exportieren. Der Stromexport ist neben dem Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen für das Königreich. Ein weiterer Ausbau der Wasserkraft ist für Bhutan also unerlässlich für ein wirtschaftliches Wachstum.
Die Besonderheit in Bhutan: Umweltschutz ist in der Verfassung verankert und genießt einen so hohen Stellenwert, dass alle wirtschaftlichen Unternehmungen im Land dem Umweltschutz unterzuordnen sind. Die Verfassung sieht außerdem vor, dass 60 Prozent des Landes mit Wald bedeckt bleiben müssen, was Wasserkraft zur einzigen expansionsfähigen nachhaltigen Ressource des Landes macht. Dem Wald ist es aber auch zu verdanken, dass Bhutan bereits seit mehreren Jahren nicht nur klimaneutral ist, sondern sogar eine negative Treibhausgas-Bilanz vorzuweisen hat. Die Wälder im Land nehmen dreimal so viel CO2 auf, wie der kleine Staat emittiert.
Dennoch steht Bhutan vor der Herausforderung, seine Energieinfrastruktur zu modernisieren, da die Stromerzeugung stark von saisonalen Schwankungen der Wasserverfügbarkeit geprägt ist, beeinflusst durch Monsunzeiten und Schneeschmelze.
Island: Standortvorteil der Vulkaninsel
Island deckt mit 100 Prozent den gesamten Energiebedarf des Landes aus erneuerbaren Energiequellen ab. Dabei nutzt der Inselstaat bereits seit vielen Jahren die geothermalen Gegebenheiten: 27 Prozent des Primärenergiebedarfs kann das Land aus Erdwärme decken. Dazu zählen sowohl die Stromproduktion als auch Wärme- und Warmwasserproduktion.
Wegen der geografischen Lage des Landes kann Erdwärme besonders effizient genutzt werden. 90 Prozent aller isländischen Haushalte werden aus der Geothermie mit Wärme und Warmwasser versorgt.
Der im Land produzierte Strom ist aber insgesamt nur zu fast 30 Prozent aus Erdwärme gewonnen – diese wird also vor allem zum Heizen verwendet. Ungefähr 70 Prozent des Stroms werden in Island über Wasserkraft gewonnen. Damit ist das Land bezüglich seines kompletten Energiebedarfs unabhängig von anderen Staaten und Energieimporten.
Paraguay
Auch Paraguay steht auf der Liste klimaneutraler Länder weit oben. Das Land in Südamerika produziert Strom aus Wasserkraft für die staatliche Stromversorgung und exportiert diesen Strom zusätzlich.
Hauptsächlich zwei große Wasserkraftwerke versorgen das Land mit Strom. Das Problem dabei: Die Wasserkraftwerke liegen am selben Fluss, was die Stromversorgung in hohem Maße von diesem Fluss abhängig macht. Wasser ist im Gegensatz zu Sonne oder Wind angesichts der Klimakrise eine endliche Ressource. Sinkt der Wasserstand des Flusses als Folge der Klimaveränderungen deutlich ab, hätte das enormen Einfluss auf die Stromproduktion. Bisher funktioniert die Stromversorgung des südamerikanischen Landes aber einwandfrei.
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Norwegen als Wasserkraft-Gigant
Das skandinavische Land ist auch weit oben auf der Liste angesiedelt: Mit etwa 99 Prozent erneuerbarer Stromproduktion ist Norwegen weitestgehend unabhängig. Auch hier spielt Wasser eine wichtige Rolle, denn etwa 95 Prozent des im Land produzierten Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Der nächstgrößere Stromproduzent ist Windkraft, aber lediglich mit etwa 8 Prozent.
Norwegen dürfte besonders in Mitteleuropa bei vielen Verbrauchern für die Wasserkraftwerke bekannt sein, denn wer sich schon einmal mit Ökostrom auseinandergesetzt hat, weiß, dass Norwegen viele Ökostromzertifikate an den Rest Europas verkauft. Bei Strom aus erneuerbaren Quellen darf das Zertifikat über die klimafreundliche Herkunft unabhängig vom Strom selbst verkauft werden.
Die Folge: Der in Norwegen produzierte und verwendete Strom darf dort nicht mehr als Grünstrom vermarktet werden, obwohl er 100 Prozent erneuerbar ist, und Graustrom, zum Beispiel aus deutschen Kohlekraftwerken, darf als Ökostrom gelabelt und verkauft werden. Der Handel mit den sogenannten Herkunftsnachweisen ist daher alles andere als unumstritten.
Warum 100 % erneuerbare Energien nicht ausreichen
Es gibt Länder wie die Demokratische Republik Kongo, die aufgrund ihres Energiemixes nahezu klimaneutral sind, in denen jedoch ein großer Teil der Bevölkerung gar keinen Zugang zu Elektrizität hat. Auch Äthiopien setzt vollständig auf erneuerbare Energien, erzeugt aber beispielsweise mit dem Ausbau des Grand Ethopien Renaissance Dam politische Spannungen, weil sie den Wasserzufluss für flussabwärts gelegene Länder wie Ägypten verschlechtern. China wiederum ist einerseits das Land mit dem weltweit größten Ausbau erneuerbarer Energien, gleichzeitig hat es aber auch laut Statista 2025 die meisten aktiven Kernkraftwerke im Betrieb und baut diese ebenfalls weiter aus.
Diese Beispiele zeigen, dass eine hohe Quote erneuerbarer Energien zwar ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität ist, jedoch nicht automatisch Versorgungssicherheit, soziale Gerechtigkeit oder politische Stabilität garantiert. Jede nationale Energiewende bringt eigene Herausforderungen mit sich. Entscheidend ist daher nicht nur, wie viel erneuerbare Energie ein Land erzeugt, sondern wie nachhaltig, gerecht und widerstandsfähig das gesamte Energiesystem gestaltet ist.