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Das Wichtigste in 30 Sekunden

Energiekrisen sind ein globales Problem, das durch geopolitische Konflikte und strukturelle Schwächen verstärkt wird. Politische Spannungen führen oft zu Preisschocks, wie der Ukraine-Krieg 2022 oder die Eskalation im Nahen Osten 2025 zeigen. Klimabedingte Extremwetter und fehlender Netzausbau machen die Versorgung zusätzlich anfällig. Energiekrisen bieten jedoch auch Chancen, wenn sie Reformen beschleunigen.

Mit Wirtschaftskrisen werden meist Finanzkrisen verbunden, doch sind Energiekrisen ebenso entscheidend. In einer Zeit wachsender geopolitischer Unsicherheiten wird immer deutlicher, dass Versorgungssicherheit und Energiepreise nicht allein von nationalen Bedingungen abhängen, sondern auch von globalen Einflüssen wie Wetterextremen, politischen Konflikten und Handelsabhängigkeiten.  

Wie entstehen Energiekrisen?

Öl, Gas und auch Strom werden weltweit gehandelt, wodurch sich Störungen global widerspiegeln. Wenn in einem Förderland die Produktion sinkt oder Transportwege blockiert sind, steigen die Preise oft innerhalb weniger Tage an. Das liegt daran, dass Angebot und Nachfrage international verknüpft sind. 
Dabei zählen nicht nur reale Engpässe, oft reicht schon allein die Erwartung an mögliche Ausfälle, um die Preise steigen zu lassen.  

Was die Energiewirtschaft so sensibel macht, ist die starke Konzentration auf wenige Länder. Staaten mit großen Rohstoffvorkommen oder wichtigen Exporthäfen dominieren den Markt. Entsteht dort Instabilität, geraten die globalen Energiemärkte sofort ins Wanken.

PlatzLandGeschätzter RohstoffwertWichtige Rohstoffe
Russland 75,7 Eisen­erz, Erdgas, Erdöl, Gold, Nickel, Diamanten, Kohle, Zink 
USA 45 Erdgas, Erdöl, Kohle, Gold, Kupfer, Seltene Erden 
Saudi-Arabien  34,4 Erdöl, Erdgas, Gold, Phosphat, Kupfer, Zink 
Kanada 33,2 Uran, Zink, Öl, Gas, Gold, Kupfer, Nickel 
Iran 27,3 Erdöl, Erdgas, Kohle, Kupfer, Eisen, Chrom, Zink, Uran 
China 23 Kohle, Erdgas, Erdöl, Eisenerz, Seltene Erden 
Brasilien 20 Eisenerz, Niob, Mangan, Graphit, Kupfer, Gold, Seltene Erden 
Australien 19,9 Gold, Nickel, Zink, Blei, Rutil, Zirkon, Kohle, Seltene Erden 
Irak 15,9 Erdöl, Erdgas 
10 Venezuela 14,3  Erdöl, Erdgas, Eisenerz, Bauxit, Gold, Lithium 
Stand 2025
Energiekrisen durch Erdgas-Stopp

Politische Konflikte führen zu Preisschocks

olitische Konflikte gehören zu den stärksten Auslösern globaler Energiekrisen, denn Energiemärkte reagieren sensibel auf Unsicherheiten. Sanktionen, militärische Spannungen oder diplomatische Drohungen führen dazu, dass Händler erwartete Engpässe sofort einpreisen.  

An diesen aktuellen Entwicklungen lassen sich die Auswirkungen auf die Energiepreise deutlich erkennen: 

  • Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022, stiegen die europäischen Gaspreise infolge des Lieferstopps zeitweise auf über 300 Euro pro Megawattstunde. Gleichzeitig kletterte der Ölpreis auf 139 US-Dollar pro Barrel. Der höchste Stand seit 2008. 
  • Im Juni 2025 eskalierten die geopolitischen Spannungen zwischen Israel und dem Iran: Die Nachricht allein von dem israelischen Angriff auf die iranischen Atom- und Raketenanlagen ließ Rohöl-Futures innerhalb eines Tages bis zu 13% steigen. 
  • Venezuela besitzt mit mehr als 300 Milliarden Barrel Öl die größten Erdölreserven der Welt. Doch die Korruption und Misswirtschaft ließen die Produktionen von 3,5 Millionen (1998) auf rund 900.0000 Barrel pro Tag fallen. Seit 2019 liegen die Exporte wegen US-Sanktionen fast still, die Teilrückkehr des Ölproduzenten Chevron 2023 änderte daran kaum etwas. Anfang 2026 ließ Trump Präsident Maduro nach New York bringen, um, wie Trump es formuliert, die Ölindustrie wieder aufzubauen. Welche Auswirkungen diese neuen politischen Spannungen auf die Ölpreise haben, bleibt abzuwarten. 

Strukturelle Probleme im Energiesystem

Strukturelle Probleme entstehen vor allem dann, wenn Netze über die Jahre zu wenig ausgebaut wurden und nicht mehr zu den heutigen Anforderungen passen: 

  • In Venezuela führte eine jahrzehntelange Misswirtschaft und fehlende Wartung dazu, dass die Energieinfrastruktur weitgehend kollabierte.  
  • Auch Europa steht vor strukturellen Herausforderungen. Der schnelle Umstieg auf LNG, also verflüssigtes und per Schiff transportiertes Erdgas, schafft seit dem Ukraine-Krieg neue Abhängigkeiten. Denn statt der Einfuhren von Pipeline-Gas aus Russland, ist die EU nun auf Gaslieferungen aus den USA und Norwegen angewiesen. 
  • Ein Ausblick in die Zukunft: Der Ausbau von KI-Rechenzentren und digitaler Infrastruktur wird den weltweiten Strombedarf stark ansteigen lassen und bestehende Netze belasten. Ohne rechtzeitige Investitionen in Netzausbau, Speicher und erneuerbare Energien könnten diese Entwicklungen die Versorgung anfällig machen. Denn in den nächsten zehn Jahren könnte sich der Energiebedarf von Rechenzentren weltweit bereits verdreifacht haben. 

Klima als Risikofaktor

Der Klimawandel wird immer mehr zu einem wesentlichen Risikofaktor für den globalen Energiemarkt. Extreme Naturereignisse können Produktion, Transportwege und ganze Energiesysteme innerhalb kürzester Zeit beeinträchtigen.  

  • Der Schneesturm in Texas im Januar 2026 ist zwar ein einzelnes Wetterereignis, zeigt aber, wie klimabedingte Extremwetter den Energiemarkt destabilisieren können. In den USA drohten durch den Sturm Ausfälle in Gasförderung und Exporthäfen. Schon die Erwartung möglicher Lieferunterbrechungen ließ die kurzfristigen Gaspreise in Europa eindeutig steigen: Von 26 Euro pro Megawattstunde auf rund 42 Euro. Ein Siebenmonatshoch. 
  • Das Abschmelzen der arktischen Eisflächen macht in Grönland Rohstoffvorkommen zugänglich. Diese Ressourcen spielen eine Rolle für erneuerbare Technologien wie WindkraftPhotovoltaikBatterien und Mikroprozessoren. Schätzungen gehen davon aus, dass Grönland fast 20% der weltweiten Seltenerd-Reserven beherbergen könnten. Die neue Zugänglichkeit dieser Rohstoffe löst einen geopolitischen Wettlauf zwischen USA, China und der EU aus, wodurch sich die wachsenden politischen Spannungen um strategische Ressourcen erhöhen und schließlich auch die Energiepreise bestimmen könnten. 

Energiekrisen als Impuls für Wandel

Energiekrisen sind bedrohlich, können aber auch positive Veränderungen anstoßen und als ein Warnsignal fungieren. Krisen können aufzeigen, wo Energiesysteme an ihre Grenze stoßen und wo Reformen dringend notwendig sind. 

  • Die Energiekrise 2022 beschleunigte in der EU den Ausbau erneuerbarer Energien, verkürzte Genehmigungsverfahren und führte zu neuen Investitionen in Netze, Speicher und LNG-Infrastruktur. Maßnahmen, die zuvor jahrelang stagnierten, wurden plötzlich politisch umgesetzt. 
  • Mit dem Inflation Reduction Act (IRA) verabschiedeten die USA 2022 eines der größten Investitionsprogramme für saubere Technologien, um das Land langfristig unabhängiger von fossilen Energien zu machen, die inländische Inflation zu senken und die CO₂-Emissionen bis 2030, um 40 % zu reduzieren.