Energiekrisen entstehen, wenn politische Konflikte, strukturelle Schwächen oder klimabedingte Extremereignisse die globalen Lieferketten unterbrechen. Der jüngste US-israelische Angriff auf den Iran und die anschließende Sperrung der Straße von Hormus zeigen, wie schnell ein geopolitischer Auslöser weltweite Energieflüsse ins Wanken bringen kann. Weitere politische Spannungen führen oft zu Preisschocks, wie der Ukraine-Krieg 2022 oder die Eskalation im Nahen Osten 2025. Klimabedingte Extremwetter und fehlender Netzausbau machen die Versorgung zusätzlich anfällig. Energiekrisen bieten jedoch auch Chancen, wenn sie Reformen beschleunigen.
Mit Wirtschaftskrisen werden meist Finanzkrisen verbunden, doch sind Energiekrisen ebenso entscheidend. In einer Zeit wachsender geopolitischer Unsicherheiten wird immer deutlicher, dass Versorgungssicherheit und Energiepreise nicht allein von nationalen Bedingungen abhängen, sondern auch von globalen Einflüssen wie Wetterextremen, politischen Konflikten und Handelsabhängigkeiten.
Die jüngste Eskalation im Nahen Osten, der US-israelische Luftangriff auf den Iran am 28. Februar 2026 und die darauffolgende Sperrung der Straße von Hormus durch Teheran, zeigt, wie schnell politische Konflikte die Energieflüsse beeinflussen.
Wie entstehen Energiekrisen?
Öl, Gas und auch Strom werden weltweit gehandelt, wodurch sich Störungen global widerspiegeln. Wenn in einem Förderland die Produktion sinkt oder Transportwege blockiert sind, steigen die Preise oft innerhalb weniger Tage an. Das liegt daran, dass Angebot und Nachfrage international verknüpft sind.
Dabei zählen nicht nur reale Engpässe, oft reicht schon allein die Erwartung an mögliche Ausfälle, um die Preise steigen zu lassen.
Was die Energiewirtschaft so sensibel macht, ist die starke Konzentration auf wenige Länder. Staaten mit großen Rohstoffvorkommen oder wichtigen Exporthäfen dominieren den Markt. Entsteht dort Instabilität, geraten die globalen Energiemärkte sofort ins Wanken.
| Platz | Land | Geschätzter Rohstoffwert | Wichtige Rohstoffe |
|---|---|---|---|
| 1 | Russland | 75,7 | Eisenerz, Erdgas, Erdöl, Gold, Nickel, Diamanten, Kohle, Zink |
| 2 | USA | 45 | Erdgas, Erdöl, Kohle, Gold, Kupfer, Seltene Erden |
| 3 | Saudi-Arabien | 34,4 | Erdöl, Erdgas, Gold, Phosphat, Kupfer, Zink |
| 4 | Kanada | 33,2 | Uran, Zink, Öl, Gas, Gold, Kupfer, Nickel |
| 5 | Iran | 27,3 | Erdöl, Erdgas, Kohle, Kupfer, Eisen, Chrom, Zink, Uran |
| 6 | China | 23 | Kohle, Erdgas, Erdöl, Eisenerz, Seltene Erden |
| 7 | Brasilien | 20 | Eisenerz, Niob, Mangan, Graphit, Kupfer, Gold, Seltene Erden |
| 8 | Australien | 19,9 | Gold, Nickel, Zink, Blei, Rutil, Zirkon, Kohle, Seltene Erden |
| 9 | Irak | 15,9 | Erdöl, Erdgas |
| 10 | Venezuela | 14,3 | Erdöl, Erdgas, Eisenerz, Bauxit, Gold, Lithium |

Energiekrise: Straße von Hormus 2026
Die Ereignisse in der Golfregion verdeutlichen, wie schnell globale Energiekrisen entstehen können. Nach den Angriffen auf den Iran reagierte Teheran mit der Schließung der 50 Kilometer breiten Straße von Hormus, einem der wichtigsten Knotenpunkte des weltweiten Öl- und Gastransport. Täglich passierten dort laut US-Energiebehörde 2024 noch rund 20 Millionen Barrel Rohöl sowie große Mengen LNG, die jeweils fast 20% des weltweiten Verbrauchs beziehungsweise Handels ausmachen. Mittlerweile liegen mehr als 200 Schiffe, vor allem Öltanker, vor der Meerenge. Internationale Reedereien stoppten ihre Durchfahrten und die US- und EU-Marinemissionen warnten Handelsschiffe, die Region zu meiden.
Alternative Exportwege existieren kaum. Nur Saudi-Arabien und die VAE verfügen über Pipelines, die Hormus umgehen können – mit nur 2,6 Millionen Barrel pro Tag. Katar, Kuwait, der Irak und der Iran selbst sind vollständig auf die Golfhäfen angewiesen.
Asiatische Importländer wie China, Japan, Südkorea und Indien sind besonders betroffen, da etwa 70 – 80 % der durch den Hormus transportierten Mengen an die asiatischen Märkte geht.
Politische Konflikte führen zu Preisschocks
Politische Konflikte gehören zu den stärksten Auslösern globaler Energiekrisen, denn Energiemärkte reagieren sensibel auf Unsicherheiten. Sanktionen, militärische Spannungen oder diplomatische Drohungen führen dazu, dass Händler erwartete Engpässe sofort einpreisen.
An diesen aktuellen Entwicklungen lassen sich die Auswirkungen auf die Energiepreise deutlich erkennen:
- Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022, stiegen die europäischen Gaspreise infolge des Lieferstopps zeitweise auf über 300 Euro pro Megawattstunde. Gleichzeitig kletterte der Ölpreis auf 139 US-Dollar pro Barrel. Der höchste Stand seit 2008.
- Im Juni 2025 eskalierten die geopolitischen Spannungen zwischen Israel und dem Iran: Die Nachricht allein von dem israelischen Angriff auf die iranischen Atom- und Raketenanlagen ließ Rohöl-Futures innerhalb eines Tages bis zu 13% steigen.
- Wenn die Blockade der Straße von Hormus 2026 länger anhält, entsteht laut der Nachrichtenagentur Reuters eine Versorgungslücke von 8 – 10 Millionen Barrel Öl pro Tag. Eine Menge, die weltweit kaum kompensiert werden kann. Bereits jetzt sind die Ölpreise um bis zu 10 % gestiegen, und Analysen rechnen nun damit, dass der Brent-Preis kurzfristig die Marke von 100 US-Dollar überschreiten könnte. Der kürzliche Angriff von Iran auf Katars Flüssiggasanlagen sollen den Gaspreis noch weiter steigen lassen. Denn Katar ist verantwortlich für 20 % der weltweiten LNG-Versorgung. Auch wenn Deutschland laut Regierungssprecher Stefan Kornelius nur kleine Mengen Öl und kein LNG aus der Golfregion bezieht, wird der steigende Wettbewerb auch die Preise in Europa in die Höhe treiben. Bemerkbar macht sich dies bereits an den deutschen Tankstellen, die so hohe Benzin- und Dieselpreise haben, wie seit zwei Jahren nicht mehr.
- Venezuela besitzt mit mehr als 300 Milliarden Barrel Öl die größten Erdölreserven der Welt. Doch die Korruption und Misswirtschaft ließen die Produktionen von 3,5 Millionen (1998) auf rund 900.0000 Barrel pro Tag fallen. Seit 2019 liegen die Exporte wegen US-Sanktionen fast still, die Teilrückkehr des Ölproduzenten Chevron 2023 änderte daran kaum etwas. Anfang 2026 ließ Trump Präsident Maduro nach New York bringen, um, wie Trump es formuliert, die Ölindustrie wieder aufzubauen. Welche Auswirkungen diese neuen politischen Spannungen auf die Ölpreise haben, bleibt abzuwarten.
Für Verbraucher und Verbraucherinnen machen sich solche geopolitischen Preisschocks oft in den Tarifen bemerkbar. Wer Preissteigerungen abfedern möchte, sollte seinen Strom– und Gasvertrag regelmäßig prüfen. Mithilfe von Wechselpilot kann ein solcher jährlicher Wechsel automatisch erfolgen.
Strukturelle Probleme im Energiesystem
Strukturelle Probleme entstehen vor allem dann, wenn Netze über die Jahre zu wenig ausgebaut wurden und nicht mehr zu den heutigen Anforderungen passen:
- In Venezuela führte eine jahrzehntelange Misswirtschaft und fehlende Wartung dazu, dass die Energieinfrastruktur weitgehend kollabierte.
- Auch Europa steht vor strukturellen Herausforderungen. Der schnelle Umstieg auf LNG, also verflüssigtes und per Schiff transportiertes Erdgas, schafft seit dem Ukraine-Krieg neue Abhängigkeiten. Denn statt der Einfuhren von Pipeline-Gas aus Russland, ist die EU nun auf Gaslieferungen aus den USA und Norwegen angewiesen.
- Ein Ausblick in die Zukunft: Der Ausbau von KI-Rechenzentren und digitaler Infrastruktur wird den weltweiten Strombedarf stark ansteigen lassen und bestehende Netze belasten. Ohne rechtzeitige Investitionen in Netzausbau, Speicher und erneuerbare Energien könnten diese Entwicklungen die Versorgung anfällig machen. Denn in den nächsten zehn Jahren könnte sich der Energiebedarf von Rechenzentren weltweit bereits verdreifacht haben.
Klima als Risikofaktor
Der Klimawandel wird immer mehr zu einem wesentlichen Risikofaktor für den globalen Energiemarkt. Extreme Naturereignisse können Produktion, Transportwege und ganze Energiesysteme innerhalb kürzester Zeit beeinträchtigen.
- Der Schneesturm in Texas im Januar 2026 ist zwar ein einzelnes Wetterereignis, zeigt aber, wie klimabedingte Extremwetter den Energiemarkt destabilisieren können. In den USA drohten durch den Sturm Ausfälle in Gasförderung und Exporthäfen. Schon die Erwartung möglicher Lieferunterbrechungen ließ die kurzfristigen Gaspreise in Europa eindeutig steigen: Von 26 Euro pro Megawattstunde auf rund 42 Euro. Ein Siebenmonatshoch.
- Das Abschmelzen der arktischen Eisflächen macht in Grönland Rohstoffvorkommen zugänglich. Diese Ressourcen spielen eine Rolle für erneuerbare Technologien wie Windkraft, Photovoltaik, Batterien und Mikroprozessoren. Schätzungen gehen davon aus, dass Grönland fast 20% der weltweiten Seltenerd-Reserven beherbergen könnten. Die neue Zugänglichkeit dieser Rohstoffe löst einen geopolitischen Wettlauf zwischen USA, China und der EU aus, wodurch sich die wachsenden politischen Spannungen um strategische Ressourcen erhöhen und schließlich auch die Energiepreise bestimmen könnten.
Energiekrisen als Impuls für Wandel
Energiekrisen sind bedrohlich, können aber auch positive Veränderungen anstoßen und als ein Warnsignal fungieren. Krisen können aufzeigen, wo Energiesysteme an ihre Grenze stoßen und wo Reformen dringend notwendig sind.
- Die Energiekrise 2022 beschleunigte in der EU den Ausbau erneuerbarer Energien, verkürzte Genehmigungsverfahren und führte zu neuen Investitionen in Netze, Speicher und LNG-Infrastruktur. Maßnahmen, die zuvor jahrelang stagnierten, wurden plötzlich politisch umgesetzt.
- Mit dem Inflation Reduction Act (IRA) verabschiedeten die USA 2022 eines der größten Investitionsprogramme für saubere Technologien, um das Land langfristig unabhängiger von fossilen Energien zu machen, die inländische Inflation zu senken und die CO₂-Emissionen bis 2030, um 40 % zu reduzieren.
- Im Falle des US-israelischen Angriffs auf den Iran im Februar 2026 bleibt abzuwarten, ob die aktuelle Krise ebenfalls langfristige Reformen anstoßen wird.