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Dynamischer Stromtarif

Ein dynamischer Stromtarif ist eine besondere Form des Stromvertrags, bei dem sich der Strompreis kontinuierlich verändert, üblicherweise sogar im Stundentakt. Damit stehen dynamische Stromtarife im direkten Gegensatz zu herkömmlichen Stromverträgen, bei denen ein fester Preis für die gesamte Vertragslaufzeit vereinbart wird.

Die Höhe eines dynamischen Strompreises richtet sich nach dem aktuellen Börsenpreis. Auch wenn Strom kein materielles Gut ist, so handelt es sich dabei dennoch um eine Ware, die wie jedes andere Produkt auf dem Großmarkt gehandelt wird, in diesem Fall auf der Energiebörse. Die meisten Stromversorger produzieren ihren Strom nicht selbst, sondern decken sich an der Börse mit den nötigen Strommengen ein, oftmals auch erst am Tag des Verkaufs. Diese Beschaffungskosten werden bei einem dynamischen Stromtarif direkt an die Kunden weitergegeben, wodurch es zu starken Preisfluktuationen kommen kann.

In Europa gibt es zwei hauptsächliche Handelsplätze: Man unterscheidet zwischen dem langfristigen Stromkauf an der European Energy Exchange (EEX) in Leipzig und dem kurzfristigen Handel an der EPEX SPOT in Paris. Während der langfristige Stromkauf den Anbietern ermöglicht, sich langfristig mit stabilen Preisen einzudecken, unterliegen die Preise an der EPEX SPOT kurzfristigen Schwankungen, da der Handel hier spätestens am Folgetag abgeschlossen wird. Für dynamische Stromtarife ist der Preis am Pariser Spotmarkt entscheidend.

Alle Stromtarife, bei denen Kunden keinen vorher definierten Fixpreis zahlen, werden unter dem Begriff der zeitvariablen Tarife zusammengefasst. Hierzu zählen etwa auch Tarife, die sich zwar nach dem Börsenpreis richten, aber preisliche Ober- und Untergrenzen festlegen oder zu Monatsende schlichtweg einen Mittelwert berechnen und diesen dann als Monatspreis festlegen. Verbreitet ist auch das Modell eines Haupttarifs bzw. Hochtarifs (HT) sowie eines Nebentarifs bzw. Niedertarifs (NT): Hierbei gilt in Zeiten geringer Netzauslastung der günstigere NT, ansonsten der teurere HT. Somit gibt es nur zwei verschiedene Preisstufen, zudem ist bereits im Vornherein festgelegt, zu welchen Uhrzeiten welcher Preis gilt. Von einem dynamischen Stromtarif ist allerdings nur dann die Rede, wenn der Strompreis ohne jegliche Einschränkungen oder Preiskorridore an den Börsenpreis gekoppelt ist. Er ist somit vollständig von Angebot und Nachfrage abhängig und ändert sich in der Regel im Stundentakt.

Was auf den ersten Blick wie ein überaus riskantes Wagnis erscheint, kann sich für bestimmte Verbrauchergruppen allerdings durchaus vorteilhaft sein. Auch wenn sich der Börsenpreis langfristig nicht prognostizieren lässt, so folgt der Tageskurs in der Regel dennoch gängigen Mustern. Im Allgemeinen gilt: Je niedriger die Nachfrage, desto niedriger der Preis. Somit lassen sich bei einem dynamischen Stromtarif die eigenen Energiekosten optimieren, indem der Stromverbrauch möglichst in die Nachmittags- und vor allem Nachtstunden verlegt wird.

Ein dynamischer Stromtarif eignet sich deshalb vor allem für Energiekunden mit überdurchschnittlichem Verbrauch, die gleichzeitig große Kontrolle über ihr Verbrauchsprofil haben. Dazu zählen beispielsweise:

  • Besitzer von Elektroautos laden ihren Stromer ohnehin meist zu später Stunde wieder auf und können dann von niedrigen Preisen profitieren.
  • Haushalte mit Wärmepumpen können ihre Heizung gezielt in Zeiten mit niedrigerem Strompreis betreiben.
  • Besitzer von Smart-Home-Systemen haben die Möglichkeit, ihren Stromverbrauch automatisiert zu steuern und somit langfristig Kosten zu sparen.

Dynamische Stromtarife sind jedoch nicht nur vorteilhaft für viele Verbraucher, sondern auch unerlässlich für eine erfolgreiche Energiewende. Regenerative Energiequellen, vor allem Wind- und Solarenergie, unterliegen meteorologischen Unwägbarkeiten (Windstärke und Sonneneinstrahlung). Wind- und Solarkraftwerke speisen deshalb stetig wechselnde Energiemengen ins Netz ein, diese Schwankungen müssen dann vonseiten der Endkunden abgefedert werden, indem sie ihren Verbrauch reaktiv an das schwankende Angebot anpassen. Gleichzeitig lässt sich so das Stromnetz entlasten, da dynamische Stromtarife legitime Anreize schaffen, den eigenen Stromverbrauch in Zeiten außerhalb der Prime Time zu verlagern.

Die Bundesregierung forciert deswegen die Verbreitung von dynamischen Tarifen. Ab 2025 ist jeder Energieversorger gesetzlich dazu verpflichtet, zumindest einen zeitvariablen Tarif anzubieten. Hinzu kommt der allmähliche Rollout von intelligenten Stromzählern, sogenannten Smart Metern. Diese sind eine unbedingte Voraussetzung für einen dynamischen Stromtarif, indem sie eine präzise Echtzeit-Erfassung des Stromverbrauchs und die sofortige Übermittlung der Verbrauchsdaten an den Energieversorger ermöglichen.

Aktuell befinden sich ungefähr 500.000 Energiekunden in einem dynamischen Stromtarif (Stand: 2023) – Tendenz steigend. Dynamische Gastarife gibt es aktuell im Übrigen noch nicht.

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